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Antwort an Jean-Claude Pressac über das Problem der Gaskammern

Hinweis für den Leser

Jean-Claude Pressacs Buch Les Crématoires d’Auschwitz. La Machinerie du meurtre de masse (Die Krematorien von Auschwitz. Die Maschinerie des Massenmordes), auf welches das vorliegende Werk antwortet, fällt ohne den leisesten Zweifel unter das Gesetz Fabius-Gayssot,[1] wie es im Strafgesetzbuch formuliert wird, vor allem aber so, wie es von den Magistraten des XVII. Gerichts und jenen des XI. Appellationsgerichts in Paris (sowie denen von Caen, Fontainebleau, Amiens, Nice usw.) praktisch angewendet wird. Diese gehen so weit, ohne praktische Verpflichtung durch den Wortlaut des Gesetzes schon die allergeringsten Anspielungen, Hintergedanken und Tendenzen zu ahnden, wenn sie auf eine mögliche revisionistische Ketzerei hindeuten, welche die 1945/1946 von den Nürnberger Richtern aufgestellten Dogmen in Frage stellt. Bereits die kurze Einführung Pressacs (S. 1-2) enthält vier Punkte, die zu einer Verurteilung Anlaß geben könnten. Der Verfasser behauptet dort mehr oder weniger explizit, die Richter hätten es beim Nürnberger Prozeß unterlassen, »ganz klare technische Aufschlüsse über die Maschinerie des Massenmordes zu gewinnen«; ihr Wissen habe »nicht ausgereicht«; ihre historische Rekonstruktion des Völkermordes und der Exekutionsgaskammern sei »nicht ohne mündliche oder schriftliche Augenzeugenberichte ausgekommen, die letztlich doch fehlbar sind«, und – um nur dieses Beispiel zu nennen – der von ihnen behauptete Zeitpunkt des Auftakts zur industriellen Phase der »Endlösung« sei grundfalsch gewesen und müsse um ein volles Jahr verschoben werden. Geht man die rund 200 Seiten des Buchs durch, so findet man wohl hundert zusätzliche Stellen, die für eine Verurteilung ausreichen würden. Was Pressac in den Medien von sich gegeben hat, belastet ihn zusätzlich aufs schwerste (man vergleiche besonders den Artikel Laurent Greilsamers in Le Monde vom 26./27. September 1993).

Wenn gegen Pressac keinerlei Anklage aufgrund des Gesetzes Fabius-Gayssot oder irgendeines anderen Paragraphen erhoben wird, so müssen auch jene ungeschoren davonkommen, die ihm auf der von ihm gewählten Ebene antworten. Werden letztere aber gerichtlich belangt, so muß konsequenterweise auch Pressac ohne Rücksicht auf verjährungstechnische Fragen vor dem XVII. Gericht von Paris erscheinen. Vor den Richter gehören dann auch die Verantwortlichen des Verlags CNRS (Centre national de la recherche scientifique, Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung), die sein Werk veröffentlicht haben.

 
Vorwort


Wer sind die Revisionisten denn nun eigentlich? Und was behaupten sie?

Man redet seit dem Ende der siebziger Jahre von ihnen. Doch sieht oder hört man sie so gut wie niemals, und ihre Argumente werden, wenn überhaupt, stets von ihren Widersachern dargelegt. Man darf ihre Schriften nicht lesen. Das Gesetz verbietet es. Man stellt sie vor Gericht, greift sie tätlich an, steckt sie hinter Gitter. Warum eigentlich?

Gegen die Revisionisten wurde ein Sondergesetz erlassen, das Gesetz Fabius-Gayssot. Ein anderes Sondergesetz ist in Vorbereitung: das Gesetz Korman-Gaubert (Goldenberg).

Gleichzeitig verkündet man, die Revisionisten seien tot. Tot und begraben!

In seinem im Herbst 1993 erschienenen Werk Les Crématoires d’Auschwitz. La Machinerie du meurtre de masse (Die Krematorien von Auschwitz. Die Maschinerie des Massenmordes) antwortet der Apotheker Jean-Claude Pressac dem Chefdenker der französischen Revisionisten – d. h. Professor Faurisson, den er nie namentlich nennt, auf den er aber anspielt – mit neuen, wissenschaftlichen und unwiderlegbaren Argumenten. So lautet wenigstens der Tenor einer lärmigen, in der gesamten westlichen Welt entfachten Medienkampagne.

J.-C. Pressac gibt sich als auf höchste Genauigkeit erpichter Forscher. In den Medien spielt er die Rolle des kühlen, abgeklärten Wissenschaftlers, der dem »Problem der Gaskammern von Auschwitz« seine Aufmerksamkeit widmet. Sein Buch strotzt geradezu von technischen Angaben. So macht es wenigstens den Anschein.

Robert Faurisson war es sich selbst schuldig, auf ein solches Werk zu antworten. Er kennt den Verfasser, denn dieser hatte sich zu Beginn der achtziger Jahre an ihn gewandt, um ihm seine eigenen Zweifel hinsichtlich der Existenz der Exekutionsgaskammern von Auschwitz anzuvertrauen. J.-C. Pressac war damals sogar soweit gegangen, ihm seine guten Dienste anzubieten. Man nahm sein Angebot versuchsweise an. Doch verzichtete Faurisson dann auf Pressacs Mitarbeit – aufgrund seiner Unfähigkeit zu wissenschaftlicher Arbeit, seiner Schwierigkeiten, sich auszudrücken, »seiner chaotischen Denkweise, seiner panischen Angstzustände, seines Abscheus vor Klarheit und eindeutigen Positionen« (vgl. Revue d’histoire révisionniste, Nr. 3, November 1990/Januar 1991, S. 130).

Kein einziger Journalist ist an Robert Faurisson herangetreten, um ihn nach seiner Ansicht über ein Buch zu befragen, das, schenkt man den Jubelrufen der Medien Glauben, die Ergebnisse seiner langjährigen Forschungen über den Haufen wirft. Ob die Journalisten wohl wissen oder ahnen, daß Pressacs Buch in Wahrheit nichts Neues bietet, daß es nur oberflächlich gesehen wissenschaftlichen Wert besitzt und im Grunde genommen unfreiwillig einmal mehr die Richtigkeit des revisionistischen Standpunkts bekräftigt?

Ende 1978 und Anfang 1979, zu einem Zeitpunkt, wo Le Monde die Ansichten Professor Faurissons über »das Auschwitz-Gerücht« oder »das Problem der Gaskammern« veröffentlichte (letztere Formulierung stammt von der jüdischstämmigen Historikerin Olga Wormser-Migot), wurde in den Medien eine gewaltige Gegenoffensive entfesselt, die der Öffentlichkeit unermüdlich einhämmerte, der Revisionismus sei bereits im Keim erstickt worden. Im Juni/Juli 1982 fand an der Sorbonne unter riesigem Medienrummel ein internationales Kolloquium statt, das den Tod des Revisionismus angeblich bestätigte. Verschiedene andere Kolloquien (Erwähnung verdient besonders das 1988 mit enormem Aufwand vom Pressezaren Robert Maxwell in Oxford organisierte) verbreiteten in den folgenden Jahren jeweils die Nachricht, sensationelle neue Dokumente oder Argumente hätten dem Phänomen des Revisionismus endgültig den Garaus gemacht. 1986 erregte die Affäre um die »Doktorarbeit von Nantes« in Frankreich und darauf in zahlreichen anderen Staaten großes Aufsehen. Der Verfasser der Arbeit, Henri Roques, wurde an den Pranger gestellt; der Doktortitel wurde ihm aberkannt, und man versprach uns hoch und heilig, seine Doktorarbeit sei für immer in die Rumpelkammer der Geschichte verbannt. 1990 wurde dann der an der Universität Lyon lehrende Forscher Bernard Notin von der Medienmeute in Acht und Bann getan. Spektakuläre Prozesse in Israel, Lyon, Paris, Deutschland, Österreich und Kanada gaben den Anstoß zu immer neuen und immer gewaltigeren Triumphen über die Revisionisten, deren Stimme zudem nie zu vernehmen war, was eben wiederum zweifelsfrei bewies, daß sie mausetot und begraben waren. In regelmäßigen Abständen wurden antirevisionistische Werke mit ohrenbetäubenden Fanfarenstößen lanciert: 1979 Filip Müllers Sonderbehandlung, 1981 Georges Wellers Les Chambres à gaz ont existé (Die Gaskammern haben existiert), 1983 der von Eugen Kogon, Hermann Langbein, Adalbert Rückerl und 21 weiteren Autoren herausgegebene Sammelband Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas. Jahr für Jahr werden neue Holocaust-Museen eingeweiht, Ausstellungen durchgeführt, Filme wie Holocaust, Shoah oder Schindlers Liste gedreht, Dokumentarfilme ausgestrahlt, Theaterstücke inszeniert, welche die Niederlage der Revisionisten veranschaulichen sollten.

In diese endlose Serie von Inszenierungen reiht sich das Buch Jean-Claude Pressacs nahtlos ein.

Doch muß man anerkennen, daß J.-C. Pressac unfreiwillig jene Verbote durchbrochen hat, welche die freie Geschichtsforschung hemmten. Sein Werk stellt in Wahrheit eine Herausforderung an das Gesetz Fabius-Gayssot dar, von dem er selbst sagt, es »verbiete die freie Meinungsäußerung« auf dem Feld der Geschichte, gegen das er selbst aber aufs massivste verstößt (Le Monde, 26./27. September 1993). Somit ist der Weg zur offenen Debatte frei…

Im Mai 1992 sah sich die Revue d’histoire révisionniste gezwungen, ihr Erscheinen nach der sechsten Nummer einzustellen. Ihr Ziel hatte nie in der Veröffentlichung von Büchern bestanden. Sie kann die vorliegende Schrift, Réponse à Jean-Claude Pressac (Antwort auf Jean-Claude Pressac), also weder als Artikelserie drucken noch auf regulärem Wege publizieren. Doch übernimmt sie die Verantwortung für ihre Verbreitung. Während zwei Jahren war R. Faurisson der wissenschaftliche Berater unserer Zeitschrift Revue d’Historie révisionniste, welche zahlreiche aus seiner Feder stammende Artikel oder Studien veröffentlicht hat. Ungeachtet der gegen uns von Innenminister Pierre Joxe erlassenen Verbotsmaßnahmen (Verordnung vom 2. Juli 1990), und ohne Rücksicht auf das Maulkorbgesetz Fabius-Gayssot, das den geschichtlichen Revisionismus kriminalisiert (»Bestreiten von Verbrechen gegen die Menschlichkeit«, wie sie beim Nürnberger Prozeß definiert wurden), bieten wir dem Geächteten also die Möglichkeit, sich frei zu äußern.

Im Jahre 1978 ist R. Faurisson als erster Forscher der Welt öffentlich dafür eingetreten, das »Problem der Gaskammern« auf materieller und wissenschaftlicher Ebene zu erörtern. Lange Zeit galt diese kühne Forderung als eine Art Gotteslästerung. Heute sehen sich die Gegner der Revisionisten genötigt, sich auf das Territorium zu begeben, auf das R. Faurisson sie zu locken hoffte. Daß man dem Werk J.-C. Pressacs, welches seinem Selbstverständnis nach im wesentlichen technischer Natur ist, eine gleichfalls im wesentlichen technische Antwort entgegenstellte, war nichts als normal. Genau dies hat, wie der Leser feststellen wird, Professor Faurisson getan, dessen Spezialität der offiziellen Definition nach die »Kritik von Texten und Dokumenten (Literatur, Geschichte, Medien)« ist.

Die Antwort an Jean-Claude Pressac stellt, dank der Analyse Professor Faurissons, ein methodologisches Vorbild für die Untersuchung eines geschichtlichen Problems dar und illustriert anschaulich, wie die Pseudowissenschaft in der Gestalt des Apothekers J.-C. Pressac mit Hilfe der Medien falsche Gewißheiten vorgespiegelt hat. Sie ermöglicht es, heute, Ende 1993, das Ausmaß der Konzessionen einzuschätzen, welche die offizielle Geschichtswissenschaft dem historischen Revisionismus machen mußte. Schließlich verhilft sie den Tatsachen zu ihrem Recht gegenüber den Erfindungen einer allzu lange betriebenen Kriegspropaganda. Solange man diesen Erfindungen Glauben schenkt, wird man nicht erkennen können, daß das wirkliche Kriegsverbrechen, das wirkliche »Verbrechen gegen die Menschlichkeit«, der Krieg selbst mit seinen tatsächlichen Greueln ist.

Die Redaktion der Revue d’histoire révisionniste 24. Dezember 1993

 

1. Einleitung[2]  


Jean-Claude Pressacs unlängst erschienenes Buch trägt den Titel Les Crématoires d’Auschwitz (Die Krematorien von Auschwitz) sowie den Untertitel La Machinerie du meurtre de masse (Die Maschinerie des Massenmordes). Es erschien im August 1993 beim Verlag CNRS (Centre national de la recherche scientifique, »Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung«) und weist mit Anhang etwas über 200 Seiten auf. Der Titel hält sein Versprechen, der Untertitel hingegen nicht. Was bei diesem Werk ins Auge springt, ist der schreiende Kontrast zwischen der Überfülle an Sach- und Dokumentarbeweisen für die – ohnehin von niemandem bestrittene – Existenz der Krematorien von Auschwitz einerseits und dem völligen Fehlen solcher Sach- und Dokumentarbeweise für die – höchst umstrittene – Existenz von Exekutionsgaskammern in Auschwitz andererseits.

1.1. Weder Photographie noch Zeichnung

Von einem Autor, der behauptet, die NS-Gaskammern hätten existiert, darf man mit Fug und Recht eine physische Darstellung dieser außergewöhnlichen chemischen Schlachthäuser verlangen. Doch Pressacs Buch enthält keine Photographie, keine Zeichnung, keine Skizze und kein Modell einer solchen Exekutionsgaskammer. Der 48 Seiten umfassende, aus Photographien bestehende Anhang enthält 60 »Dokumente«, doch kein einziges davon hat irgendetwas mit den Gaskammern zu tun, auch nicht das einzige »Dokument« (Nr. 28), das uns – fälschlicherweise, wie wir noch sehen werden – als Beweis für die Existenz der Gaskammern vorgelegt wird. Der Verfasser hat noch nicht einmal den Mut aufgebracht, die »Gaskammer« des Krematoriums I abzulichten, welche alle Besucher des Stammlagers Auschwitz betreten. Ebensowenig hat er das Innere der – höchst vielsagenden – Ruinen der angeblichen Gaskammer im Krematorium II von Birkenau abgebildet. Auch das von den Polen unvorsichtigerweise im Block 4 des Auschwitz-Museums ausgestellte Modell jener Gaskammer suchen wir bei Pressac vergebens. Der Grund für all diese Unterlassungen läßt sich leicht erraten. Schon der geringste Versuch, eine der angeblichen Exekutionsgaskammern von Auschwitz physisch darzustellen, würde die physikalischen und chemischen Unmöglichkeiten jeglicher Massenmorde mit Zyanwasserstoffgas in diesen Örtlichkeiten unverzüglich aufdecken.[3]  

1.2. So gut wie keine Neuigkeiten

Das von seinem Gehalt her herzlich bescheidene Buch bietet so gut wie keine Neuigkeiten. Es handelt sich im wesentlichen bloß um eine Kurzfassung des titanischen Werkes, das Pressac anno 1989 unter dem trügerischen Titel Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers[4] veröffentlicht hat. Ich habe dieses Opus seinerseits unter der Überschrift Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers (1989) ou Bricolage et “gazouillages” à Auschwitz et Birkenau selon J.-C. Pressac (1989) – Auschwitz: Technik und Bedienung der Gaskammern (1989) oder Basteleien und »Gelegenheitsvergasungen« in Auschwitz und Birkenau nach J.-C. Pressac (1989) – rezensiert.[5] Selbst auf die Gefahr hin, allzu selbstbewußt zu erscheinen, muß ich heute doch feststellen, daß meine 1990 publizierte Rezension Pressac dazu veranlaßt hat, seine Ausführungen über die Gaskammern radikal zu verkürzen, sie auf ein paar windige, unsäglich wirre Seiten zusammenzustreichen und vor allem einen französischen Titel zu wählen, der weitaus weniger verspricht als der seines früheren, auf englisch erschienenen Werkes.

1.3. Auschwitz: 800.000 Tote statt neun Millionen

Einer der ganz wenigen neuen Aspekte des hier besprochenen Buchs liegt in der von Pressac genannten Zahl der Auschwitz-Opfer. In Alain Resnais’ Film Nuit et Brouillard (Nacht und Nebel) war von neun Millionen die Rede gewesen (»Neun Millionen Menschen starben an diesem verfluchten Orte« heißt es am Ende des Streifens). Beim Nürnberger Prozeß wurde in einem »von Amtes wegen zur Kenntnis zu nehmenden« Dokument (Dokument USSR-008) die Ziffer von vier Millionen angeführt. Dieselbe Zahl prangte bis April 1990 in neunzehn verschiedenen Sprachen auf neunzehn Steinplatten der Gedenkstätte in Birkenau. In jenem Monat ließen die Verantwortlichen des Auschwitz-Museums diese Inschrift diskret entfernen; es hieß damals, sie werde wohl durch eine Zahl von anderthalb Millionen ersetzt. In Frankreich sprach François Bédarida von 950.000 Auschwitz-Opfern (Le Monde, 22./23. Juli 1990, S. 7). Und Pressac? Er entscheidet sich für eine Zahl von 775.000 Toten, die er auf 800.000 aufrundet. Im Anhang zu seinem Buch schätzt er die Anzahl der vergasten Juden auf 630.000.[6] Die wirkliche Opferzahl dürfte um 150.000 (Juden und Nichtjuden) liegen, wobei die große Mehrzahl dieser Menschen durch natürliche Ursachen – insbesondere durch Typhus und Fleckfieber – den Tod fand.

1.4. Pressac glaubt nicht mehr an »Wannsee«, doch er glaubt weiterhin an Hitler

Eine andere Neuigkeit: Pressac glaubt nicht mehr daran, daß am 20. Januar 1942 auf der von Heydrich geleiteten Wannsee-Konferenz deutscherseits die physische Ausrottung der Juden beschlossen worden sei (vgl. dazu unsere folgenden Ausführungen auf S. 60). Es scheint ferner, daß er nicht so richtig an die Existenz einer Politik zur Judenausrottung (was man als Völkermord bezeichnet) glaubt. Jedenfalls läßt er kaum einen Schatten auf Adolf Hitler fallen.[7] Der Name des Führers erscheint in seinem Buch ganze vier Mal: zunächst im Zusammenhang mit den »architektonischen Vorhaben« Hitlers, deren Zweck darin lag, »das “erwachte” Deutschland zu glorifizieren und die Arbeitslosigkeit zu beseitigen« (S. 7), dann im Zusammenang mit einem seiner Sekretäre, Martin Bormann (S. 12), ferner anläßlich seiner »Schmähreden gegen die Juden« (S. 81), und schließlich bei der Erwähnung des »wirtschaftlichen Aufschwungs nach Hitlers Einzug ins Kanzleramt« (S. 182).

1.5. Die Theorie von den »Gelegenheitsvergasungen«

Pressacs Theorie über Auschwitz ist ungemein verschroben. Er vertritt die These, dort habe es »Gelegenheitsvergasungen«, »Basteleien«, »Schnitzer« und »Fehlleistungen« gegeben. Den Ausdruck »Gelegenheitsvergasungen« benutzt er natürlich nur in seinen Privatgesprächen, doch der Kalauer eignet sich ganz ausgezeichnet zur Zusammenfassung seiner Theorie.

Folgen wir Pressac, so haben die Deutschen sowohl das Verbrechen wie auch die Tatwaffe improvisiert. Sie hätten hie und da eine unterschiedlich große Anzahl von Personen vergast und nicht etwa systematische, kontinuierliche Massenvergasungen von bis zu einigen Millionen Menschen begangen. Pressac zufolge haben die Deutschen anfangs ÜBERHAUPT KEINE EXEKUTIONSGASKAMMERN ERRICHTET. So räumt er beispielsweise ein, daß die im Jahre 1943 fertiggestellten Krematorien II und III (in Birkenau) im August 1942 nicht etwa als Tötungs-, sondern lediglich als Einäscherungsvorrichtungen konzipiert wurden. Er gibt auch zu, daß diese Krematorien harmlose Leichenkeller besaßen, welche zur Aufbahrung der Toten vor ihrer Verbrennung dienten.[8] Doch seien diese Leichenkeller von den Deutschen zu einem nicht bestimmten Zeitpunkt und unter ungeklärten Umständen in Gaskammern umgewandelt worden. Bei diesen Deutschen habe es sich bestenfalls um einige Hauptleute, Leutnants und Unteroffiziere der SS gehandelt, ferner um eine Handvoll zivile Ingenieure und Techniker, deren Spezialität auf dem Gebiet der Kremierung, der Isolation und der Ventilation lag, und nicht etwa, wie man erwarten würde, um hochgestellte Politiker sowie um Chemiker, Ärzte und Toxikologen. Der Hauptverantwortliche sei ein ehemaliger Maurer gewesen, der sich dann bei einer Erfurter Firma, Topf & Söhne, zum Spezialisten im Bau von Krematoriumsöfen mauserte (S. 11). Dieses Genie des Bösen hieß Kurt Prüfer. Nach dem Krieg wurde er von den Amerikanern verhaftet und verhört, doch da sie zum Schluß kamen, er habe nie etwas anderes als Krematoriumsöfen errichtet, ließen sie ihn laufen. Prüfer kehrte nach Erfurt zurück, das in der sowjetischen Besatzungszone lag. Dies hätte er besser unterlassen. Das KGB nahm ihn fest, verhörte ihn, und im April 1948 wurde er zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.[9] Vier Jahre später starb er in Haft.

Pressac zufolge leisteten Prüfer und seine Helfer dermaßen lausige Arbeit, daß die Umwandlung der Leichenkeller in Gaskammern die Form einer regelrechten Bastelei annahm. So wurde beispielsweise in einem Leichenkeller die Luft von oben hinein- und von unten hinausgeleitet, was, wie Pressac selbst einräumt, für einen zur Aufbahrung von Leichen verwendeten Leichenkeller völlig normal ist. Doch nun ist das Zyanwasserstoffgas, Hauptbestandteil des Zyklon B, von geringerer spezifischer Dichte als die Luft; man hätte also, so Pressac, das Ventilationssystem umgekehrt konzipieren müssen, um das Gas nach dem Massenmord an den Eingeschlossenen oben abzuführen, denn der Einsatz von Zyanwasserstoffgas in einem solchen Raum wäre » aus technischer Sicht unsinnig « gewesen (S. 91). Anstatt aber die Lüftung dementsprechend zu modifizieren, behielten die Ventilationsspezialisten sie bei. Sie begnügten sich damit, die »Lüftungsleistung« zu erhöhen (S. 92). In den Gaskammern wurde überhaupt umgemein oft ventiliert. Der Verfasser überhäuft seine Leser mit Theorien über die Richtung der Winde und Luftströmungen sowie über die Stärke der Ventilatoren, bis diese nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht. Nicht zu Unrecht haben gewisse scharfzüngige Revisionisten Pressac vorgeworfen, er habe seine Gaskammern in windige Luftschlösser verwandelt.

Pressac gibt zu verstehen, daß die Bastelübungen dieser deutschen Schmalspur-Techniker keine deutlich sichtbaren Spuren oder Beweise ihres kriminellen Treibens hinterlassen konnten. Aus diesem Grund, hebt er warnend hervor, dürften wir keine eindeutigen und soliden Beweise für die Existenz der Exekutionsgaskammern erhoffen; wir müßten uns stattdessen mit mageren Indizien, Halb- und Viertelbeweisen begnügen. Letztere bezeichnet er in seinem Jargon als »Fehlleistungen«, die auf kriminelle Aktivitäten hindeuteten. Um diese winzigen Spuren eines weltgeschichtlich einzigartigen Verbrechens zu entdecken, bedarf es aber ganz außergewöhnlichen Scharfsinns, und diesen Scharfsinn bringt – wie könnte es auch anders sein – kein anderer als Pressac auf, der tagsüber als Apotheker und nachts als Historiker wirkt.

1.6. Pressacs Versprechen und die Wirklichkeit

In seiner Einleitung stellt uns Pressac eine »genaue Geschichte« von Auschwitz in Aussicht, eine »fast lückenlose Rekonstruktion des verbrecherischen Einfallsreichtums« und eine »historische Rekonstruktion, die ohne mündliche oder schriftliche Augenzeugenberichte auskommt, die letztlich doch fehlbar sind und mit der Zeit immer ungenauer werden« (S. 1-2). Wir werden sehen, daß dies alles Schaumschlägerei ist. Ganz im Gegensatz zu dem, was uns Pressac verspricht, wimmelt sein Buch von Konfusionen, Widersprüchen und Ungenauigkeiten. Sobald es um die behaupteten Menschenvergasungen geht, nimmt Pressac regelmäßig zu den Zeugenaussagen Zuflucht, auf die er doch angeblich nicht angewiesen war. Sogar hinsichtlich der Krematoriumsöfen sind seine Aussagen unzusammenhängend und oft unklar.

Um ein solches Werk zu beurteilen, reicht es, das einfachste aller Kriterien anzulegen: Wenn der Verfasser die Photographie oder Zeichnung einer NS-Gaskammer präsentiert, wird man auf ihn eingehen, ansonsten nicht. Pressac, ein guter Photograph, guter Zeichner und wahrscheinlich auch ein guter Modellbauer, hat die Nagelprobe wohlweislich vermieden, die darin bestanden hätte, eines dieser wundersamen chemischen Schlachthäuser materiell darzustellen. Folglich könnte man es sich im Grunde genommen schenken, auf diese Ausgeburt eines heillos wirren Geistes einzugehen. Trotzdem werde ich es tun, damit der Leser das ganze Ausmaß der Katastrophe ermessen kann, welche dieses Buch für die Vertreter der These von der Judenausrottung darstellt.

Meine Studie ist in fünf Teile gegliedert. Ich werde darin folgende Punkte behandeln: Offenkundigkeiten, die der Autor nicht verschweigen konnte; Realitäten, die er totschweigt; Ausflüchte, die er von anderen »Holocaust-Experten« übernimmt; die Betrügereien, die ihm eigen sind; sowie schließlich seine romanhaften Abschweifungen.

Zum Abschluß werde ich die Anregung des Amerikaners Fred Leuchter wiederholen und unseren Gegnern vorschlagen, eine internationale Expertenkommission ins Leben zu rufen, welche in Auschwitz und Birkenau eine der grauenvollsten Vernichtungswaffen, welche die Geschichte je gekannt haben soll, an Ort und Stelle untersuchen wird. So würden jene Räumlichkeiten, in denen Hunderttausende von Juden – früher sprach man von Millionen[10] – mit Zyanwasserstoffgas ermordet worden sein sollen, von Fachleuten einer gründlichen Expertise unterzogen.

Für Historiker, die sich daranmachen, endlich eine wissenschaftliche Geschichte von Auschwitz zu schreiben, besteht kein Grund mehr, eine solche Expertise abzulehnen.

 

2. Offenkundigkeiten, die Pressac nicht
verschweigen konnte


Aufgrund der fundamentalen von den Revisionisten gemachten Entdeckungen gibt es peinliche Offenkundigkeiten, welche die Exterministen nicht mehr vertuschen können. Pressac folgt hier dem Trend.

2.1. »Wannsee« ist nicht mehr »Wannsee«

Jahrzehntelang haben die Historiker des angeblichen »Holocaust« an den Juden wiederholt, am 20. Januar 1942 hätten die Deutschen auf der Berliner Wannsee-Konferenz die physische Ausrottung der europäischen Juden beschlossen. Man mußte bis zum Mai 1984 warten, ehe die Exterministen bei einem Kongreß in Stuttgart stillschweigend von dieser These abrückten (Eberhard Jäckel und Jürgen Rohwer, Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg, DVA, 1985, S. 67).

Danach mußte man sich bis 1992 gedulden, bis Yehuda Bauer, Professor an der Universität Jerusalem und führender israelischer »Holocaust-Spezialist«, öffentlich erklärte, diese These sei »albern« (The Canadian Jewish News, 30. Januar 1992; vgl. auch Wannsee: “Une sotte histoire” – Wannsee: “Eine alberne Geschichte”. In Übereinstimmung mit der neuen offiziellen Version schreibt Pressac:

»Am 20. Januar 1942 fand in Berlin die sogenannte Wannsee-Konferenz statt. Wenngleich auch eine Umsiedlung der Juden nach Osten vorgesehen war, bei der es zu einer “natürlichen” Verminderung durch Arbeit kommen sollte, so sprach zu dieser Zeit doch noch niemand von einer industriellen Massen-Liquidierung. In den folgenden Tagen und Wochen erhielt die Bauleitung von Auschwitz weder einen Anruf noch ein Telegramm oder einen Brief, in dem ein Entwurf für eine Einrichtung zu diesem Zweck verlangt wurde« (S. 44-45).

In seinem »Chronologischen Überblick« bestätigt er: »20. Januar (1942): Wannsee-Konferenz in Berlin über die Umsiedlung der Juden in den Osten« (S. 153). Er sagt also deutlich »Umsiedlung« und nicht etwa »Ausrottung«.

2.2. In Auschwitz ließ sich kaum etwas geheimhalten

Früher behauptete man, der Beschluß, in Auschwitz ein KZ einzurichten, sei aufgrund der Abgeschiedenheit des Ortes und der dortigen Möglichkeiten zur Geheimhaltung erfolgt. In Wirklichkeit muß Pressac zugeben, daß das Lager ganz in der Nähe der Stadt Auschwitz errichtet wurde, die an einem internationalen Eisenbahnnetz mit Verbindungen nach Berlin, Wien und Warschau liegt (S. 10). Man kann ergänzend bemerken, daß Tag für Tag Bahnreisende nahe beim Lager vorbeifuhren.

Es wird heute nicht mehr bestritten, daß das Lager Auschwitz von Zivilarbeitern deutscher, polnischer und anderer Nationalität wimmelte, die mit allerlei Arbeiten beschäftigt waren, unter anderem mit dem Bau und der Wartung der Krematorien; außer während der Typhusepidemien kehrten diese Zivilarbeiter täglich nach Hause zurück. Allein schon diese Tatsache ist mit der Notwendigkeit unvereinbar, die Existenz chemischer Schlachthäuser, in denen Hunderttausende (früher sprach man von Millionen) von Opfern für immer verschwunden sein sollen, aufs allerstrengste geheimzuhalten. Diese Zivilarbeiter trugen grüne Ärmelstreifen (S. 79). Pressac schreibt:

»Für den Bau der Krematorien von Birkenau hatte man zwölf Zivilfirmen hinzugezogen […]. An jedem Bauwerk (BW) waren einhundert bis einhundertfünfzig Personen beteiligt – etwa zwei Drittel Häftlinge und ein Drittel Zivilisten, und die Arbeiten wurden von den Polieren der jeweils zuständigen Firma geleitet« (S. 70-71).

Der Autor unternimmt keinen Versuch, die Anomalie zu erklären, welche diese massenhafte Anwesenheit fremder Zivilisten an der Stätte des Verbrechens in seinen Augen hätte darstellen müssen. Ebensowenig erklärt er die Tatsache, daß Arbeiten, bei denen es sich angeblich um das größte Geheimnis des Reichs handelte, Fachleuten lagerfremder, ziviler Unternehmen anvertraut wurden.

2.3. Die Archive sind in großer Zahl erhalten

1945, so hat man uns immer wieder erzählt, hätten die Deutschen fast alle Lagerarchive zerstört. Pressac gibt zu, daß heute Zehntausende, wenn nicht gar Hunderttausende, von Archivdokumenten über das Lager vorhanden sind, in Auschwitz selbst oder in Moskau. Jene der Zentral-Bauleitung sind intakt. Da sie in den Augen Pressacs am belastendsten sind, hätten sie naturgemäß als erste vernichtet werden müssen. Warum tat man dies nicht? Der gesunde Menschenverstand sagt uns, daß es keinen Grund zur Zerstörung der Archive gab: diese enthielten keine Spuren eines gigantischen Verbrechens, weil das gigantische Verbrechen eben nicht stattgefunden hatte. Der Autor findet eine andere Erklärung dafür, daß die SS die Archive nicht beseitigte: Sie verkannte deren »brisanten« Inhalt (S. 1). Dieses Vorgehen ist bei Pressac zur Gewohnheit geworden; wenn er ein Phänomen nicht begreift, neigt er dazu, es der Dummheit oder Unwissenheit der SS zuzuschreiben.

2.4. 1972 mußte man die beiden Hauptarchitekten freisprechen

Ich meinerseits habe immer wieder auf die entscheidende Bedeutung des Freispruchs von Walter Dejaco und Fritz Ertl hingewiesen, den beiden Hauptarchitekten der Krematorien von Auschwitz, die 1972 in Wien vor Gericht standen. Die sowjetischen und polnischen Kommunisten hatten dem Gericht die in ihrem Besitz befindlichen Dokumente zur Verfügung gestellt. Es drängt sich die Folgerung auf, daß diese Dokumente keinerlei Hinweis auf irgendein Verbrechen enthielten; alle mußten für Architekten, Ingenieure und andere Fachleute eine ganz normale technische Bedeutung haben. Der Apotheker Pressac schließt daraus auf die Unfähigkeit all dieser Leute; das Verfahren habe mit einem Freispruch geendet, da

»niemand, weder die Richter noch die sogenannten Fachleute, zu jener Zeit die Möglichkeit hatte, das hervorragende historische Material der Polen und der Sowjets auszuwerten« (S. 124).

Für die Revisionisten sind die im Besitz der österreichischen Justiz befindlichen Akten und Dokumente des Prozesses gegen Dejaco und Ertl unzugänglich. Weshalb veröffentlicht man sie nicht?

2.5. Zyklon B als Mittel zur Bekämpfung der Typhusepidemien

Der – unter der Bevölkerung Osteuropas seit jeher endemische – Typhus wütete in Auschwitz verheerend. In den besetzten sowjetischen Territorien waren im Sommer 1941 »einhundertfünfzigtausend Typhusfälle« aufgetreten (S. 39). Unter diesen Umständen sieht sich Pressac genötigt, einige von den Revisionisten schon längst aufgezeigte Wahrheiten zur Kenntnis zu nehmen; er schreibt:

»Die SS-Ärzte wußten, daß die Gegend um Auschwitz ein Moorgebiet war. Sie waren schon mit dem Problem des nicht aufbereiteten Wassers konfrontiert worden, das aufgrund des Eberth-Bazillus zu Fällen von Tuberkulose geführt hatte. Ende Mai 1942 traten bei den Häftlingen bereits zahlreiche Typhuserkrankungen auf, weshalb Anfang Juni den SS-Leuten und den Angestellten der siebzehn zivilen Unternehmungen auf dem Lagergelände das Trinken von Leitungswasser untersagt wurde. Zum Ausgleich dafür belieferte man sie umsonst mit reichlich Mineralwasser. Die Ärzte fürchteten, daß im Sommer fast zwangsläufig Fälle von Sumpffieber (oder Malaria) auftreten würden, ausgelöst durch Mücken, die aus den Sümpfen kamen. Um dieser Gefahr vorzubeugen, sollte in Raisko ein Hygieneinstitut der Waffen-SS eingerichtet werden, was im Oktober geschah. Doch mit Fleckfieber hatte man nicht gerechnet. Die Ärzte glaubten, daß die prophylaktischen Maßnahmen (Quarantäne und das Scheren der Haare) und die entsprechende Hygiene (lokale Desinfektion der Haare, Duschen) gleich bei der Ankunft der Häftlinge verhindern würden, daß sich diese Plage im Lager ausbreitete, und zwar, weil die Ursache der Krankheit, die Läuse, ausgemerzt worden wären. Das war der Fall, doch die Krankheit wurde von denjenigen übertragen, die einer solchen Behandlung nicht unterzogen worden waren, nämlich von den Zivilisten, die tagtäglich mit den Häftlingen in Berührung kamen.[11] Schon bald steckten sich die Häftlinge an, und da die hygienischen Bedingungen im KL katastrophal waren, stieg die Zahl der Todesfälle rapide an. Man schätzt, daß von Mai bis November 1940 monatlich 220 Menschen an Fleckfieber starben; von Januar bis Juli 1941 verdreifachte sich diese Zahl; von August bis Dezember 1942 waren es über 4000. Die sanitären Verhältnisse gerieten außer Kontrolle. Man mußte verhindern, daß sich die Fleckfiebererkrankungen auf die nähere Umgebung ausweiteten. Das gesamte Lager wurde abgeschottet, und niemand durfte es mehr verlassen. Am 10. Juli wurde eine Teil-Quarantäne angeordnet« (S. 53-54).

Er fügt hinzu:

»Doch da sich die Fleckfieber-Epidemie weiter ausbreitete und die Lage immer katastrophaler wurde, ordnete man am 23. Juli [1942] eine totale Lagersperre an« (S. 57).

Die Seuche forderte manchmal täglich 250 bis 300 Tote unter Häftlingen, Zivilisten und SS-Leuten (S. 62). Pressac unterläßt den Hinweis darauf, daß Dr. Popiersch, der Oberarzt, selbst dem Typhus erlag.[12] In der Periode vom 7. bis zum 11. September 1942 erreichte die erste Epidemie mit 375 Todesfällen an einem einzigen Tag ihren Höhepunkt (vgl. dazu die Tabelle auf S. 193). Eine zweite Epidemie, auf die eine dritte folgen sollte, brach im ersten Halbjahr 1943 aus (S. 105).

Entlausungsmaßnahmen, vor allem mit Zyklon B, waren da lebensnotwendig:

»In der Woche vom 5. bis 11. Juli wurden die Unterkünfte der SS-Wachmannschaften, in denen es von Ungeziefer wimmelte, mit Gas (Zyklon B) ausgeräuchert« (S. 19).

Bei der Birkenauer Zentral-Sauna

»handelte es sich um eine leistungsstarke Sanitäranlage, in die vier Heißluft-Entwesungskammern (Dok. 23), drei industrielle Autoklaven (Dok. 24), ein Haarschneideraum, ein Untersuchungsraum und fünfzig Brausen eingebaut werden sollten. Mit diesem Komplex wollte die SS “endgültig” jegliche Fleckfiebergefahr aus Birkenau verbannen. Die Häftlinge sollten dort rasiert, untersucht, desinfiziert und geduscht werden, während in der Zwischenzeit ihre Sachen entwest wurden. Unglücklicherweise war diese Anlage erst Anfang Januar 1944 funktionstüchtig« (S. 89).

Die Dokumente 23, 24, 40 und 56 verdeutlichen, in welchem Maße sich die Deutschen um die Hygiene sorgten, vor allem in jenem Teil des Lagers, in dem zeitweise Zigeuner untergebracht waren. Die Dokumente 43 und 44 zeigen das Innere und Äußere der Batterie von neunzehn Blausäure-Entlausungszellen (Zyklon B), die allerdings nicht fertiggebaut wurden.

Die SS beschloß, das Lager Auschwitz mit

»der neuesten Entlausungstechnik, die in Deutschland entwickelt worden war, auszustatten. Es handelte sich um eine stationäre Kurzwellen-Entlausungsanlage (Dezimeterwellen und Zentimeterwellen)« (S. 105-106).

Bereits im Jahre 1946 erwähnte der ehemalige Auschwitz-Häftling Marc Klein, Professor an der medizinischen Fakultät Straßburg, diese »Kurzwellenentlausung« sowie die beeindruckende Anzahl von Maßnahmen, welche die deutschen Ärzte in ihren Bestrebungen trafen, den Gefangenen in einem Zwangsarbeitslager, wo Menschen auf engstem Raume zusammenwohnten, ihre Hilfe angedeihen zu lassen (»Observations et réflexions sur les camps de concentration nazis«, Bemerkungen und Überlegungen zu den Nazikonzentrationslagern, Études germaniques Nr. 3, 1946, S. 18).

2.6. Die Kremierung: Eine hygienische Maßnahme

Pressac schreibt:

»Um zu verhindern, daß sich solche und andere Epidemien, die nicht zu kontrollieren waren, ausbreiteten, mußten die Leichen mitsamt den Krankheitserregern zu Asche verbrannt werden. Das war Prüfers Aufgabe« (S. 40).

Anfänglich hatten die Deutschen die Leichen bestattet, doch Auschwitz lag in einem Sumpfgebiet. Zeitweise stieg das Wasser bis fast an die Erdoberfläche. Man mußte die Leichen wieder ausgraben und einäschern, da

»die Verwesungsabsonderungen das Grundwasser zu verseuchen begannen. Bei einem Anstieg des Wasserspiegels hätte sich die Lage noch verschlimmert. Es gab also keine andere Lösung, als die Leichen noch vor Einsetzen des Winters auszugraben und unter freiem Himmel zu verbrennen« (S. 72).

Der Hauptteil des Buches ist den Krematorien gewidmet, d.h. zunächst einmal den als solche bezeichneten Gebäuden und dann im besonderen den Kremierungsöfen. Die Darstellung ist mühsam, unzusammenhängend, kaum verständlich. Aus ihr geht hervor, daß diese Öfen ständig außer Betrieb waren (S. 26, S. 103, Anmerkung 108, usw.), was die fabulöse Kremierungskapazität entsprechend vermindert, welche die Exterministen ihnen andichten, inklusive Pressac, der den Krematorien (plus »Verbrennungsgruben«) eine Tageskapazität von 3.300 Einäscherungen (»mit der Möglichkeit zur Erhöhung auf 4.300«) zuschreibt (S. 200-201). Unter Festhaltung an dieser Ziffer von 4.300 täglich möglichen Kremierungen schreibt Pressac auf S. 148 seines Buches, die SS habe »in 70 Tagen bis zu 300.000 Menschen vernichten« können (Anmerkung des Übersetzers: Gemeint ist S. 148 der französischen Originalversion; in der deutschen Übersetzung fehlt diese Aussage).

2.7. Ohne Exekutionsgaskammern konzipierte Krematorien

Hier kommen wir nun zur wichtigsten Konzession, die der Verfasser den Revisionisten machen mußte: die im August 1942 – also zu einem Zeitpunkt, wo laut den offiziellen Historikern die sogenannte Judenausrottungspolitik längst beschlossen worden sein soll – konzipierten Krematorien waren »zu jener Zeit noch ohne Gaskammern geplant« (S. 67). Man sucht übrigens vergeblich nach Informationen darüber, zu welchem genauen Zeitpunkt diese zwischen dem 31. März und dem 25. Juni 1943 fertigerstellten Krematorien »mit Gaskammern geplant« wurden.

Diese Konzession ist aufschlußreich: 1982, zu einem Zeitpunkt, wo die offiziellen Historiker beteuerten, alle Krematorien seien mit Gaskammern geplant gewesen, hatte der Verfasser in einer Anwandlung von Kühnheit zu schreiben gewagt, die Krematorien IV und V seien ohne Gaskammer konzipiert gewesen; 1989 tat er dann Abbitte und schrieb, diese beiden Krematorien seien doch mit Gaskammern geplant gewesen. Heute kommt er auf seine These von 1982 zurück: diese Krematorien waren ohne Gaskammern konzipiert. Zu den Krematorien II und III hatte er 1982 diesbezüglich nichts gesagt; 1989 meinte er dann, sie seien ohne Gaskammern geplant gewesen, und diesen Standpunkt vertritt er auch 1994 noch. Was nun das älteste der Krematorien, das Krema I im Stammlager betrifft, kann man kaum ausfindig machen, ob die Deutschen diese gemäß Pressacs ständig wechselnden Theorien mit oder ohne Gaskammer entworfen hatten. Die gleiche Unsicherheit legt er hinsichtlich der geheimnisvollen Bunker 1 und 2 an den Tag. Genaueres über diese immerfort wechselnden Thesen kann man in der R.H.R., Nr. 3, S. 74-79 finden (vgl. auch meine Schrift Réponse à Pierre Vidal-Naquet (Antwort an Pierre Vidal-Naquet), La Vieille Taupe, Paris 1982, 2. Auflage, S. 67-83).

2.8. Andere Offenkundigkeiten, die er nicht verschweigen konnte

Wenn wir uns auf die photographische Dokumentation beschränken, so tauchen auch dort Offenkundigkeiten auf, die Pressac nicht totschweigen konnte. Die Angehörigen der Zentral-Bauleitung von Auschwitz arbeiteten nicht etwa still und heimlich, wie man es von Kriminellen erwarten würde, sondern ließen sich bereitwillig gemeinsam photographieren (Dok. 12). Pressac hätte noch andere Photos präsentieren können, auf denen man diese Ingenieure, Architekten und Techniker in ihren Büros arbeiten sieht, wo sie stolz die Pläne ihrer Krematorien an die Wände hefteten. In der gleichen photographischen Dokumentation erkennt man auch eine Fernheizungsinstallation für das Lager (Dok. 55), Pferdeställe, wo sich Häftlinge nützlich machen (Dokumente 45 und 46), Fabriken zur Herstellung von Waffen oder synthetischem Brennstoff, wo Gefangene arbeiten (Dokumente 47 und 48), mächtige Kartoffeldepots (Dok. 49), deren Anwesenheit an einem von den Alliierten als »Vernichtungslager« bezeichneten Ort überraschend wirkt, eine Trinkwasseraufbereitungsanlage in der Nähe der Krematorien (Dok. 50), einen der Schweineställe, in denen die Häftlinge arbeiteten (Dok. 51), Gewächshäuser und bestellte Felder (Dok. 52).

Bereits zu diesem Zeitpunkt erkennt man aufgrund der Offenkundigkeiten, die der Verfasser nicht totschweigen konnte, wie sehr alles gegen die These von der Menschenausrottung in Auschwitz spricht. Es bedurfte des enormen Drucks, der von den revisionistischen Studien ausging, bis sich die Vertreter des offiziellen Geschichtsbilds dazu bequemten, diese augenscheinlichen Tatsachen anzuerkennen.

 

3. Realitäten, die Pressac totschweigt

Der Autor übergeht eine beträchtliche Anzahl von Realitäten mit Stillschweigen, die beweisen, daß Auschwitz und Birkenau keine »Vernichtungslager« (der Ausdruck wurde von den Alliierten geprägt), sondern Konzentrations-, Arbeits- und Durchgangslager waren. Er schweigt auch zahlreiche Dokumente von erstrangiger Bedeutung tot. Ich werde mich auf einige Beispiele beschränken.

3.1. Keine Photographie und kein Plan des Krematorium I

Wir haben hier ein den »Krematorien von Auschwitz« gewidmetes Buch vor uns, das paradoxerweise unter den sechzig präsentierten Photographien und Dokumenten kein einziges Photo und keinen einzigen Plan des Krematorium I und seiner »Gaskammer« enthält!

Dabei wird doch just dieses erste Krematorium mitsamt seiner angeblichen Exekutionsgaskammer wie bereits erwähnt allen Besuchern als glasklarer Beweis für das Verbrechen vorgeführt. Pressac zeigt uns die Photographie eines Ofens in Dachau (Dok. 7) oder in Buchenwald (Dok. 60), doch die Öfen von Auschwitz I enthält er uns vor!

Er hütet sich wohlweislich davor, uns letztere vorzuführen, weil er weiß, daß dieses Krematorium mit seiner »Gaskammer« ein ausgemachter Schwindel ist. Schließlich konnte er seinen Lesern ja nicht gut mitteilen, daß ich dies 1976 an Ort und Stelle entdeckt und einige Jahre später in meinem zusammen mit Serge Thion verfaßten Buch Vérité historique ou vérité politique? (La Vieille Taupe, 1980, S. 316-317)[13] nachgewiesen hatte. Pressac konnte seine Leser auch nicht gut darüber aufklären, daß ich ungeachtet aller Schwierigkeiten als erster Mensch auf der Welt in den Archiven des Auschwitz-Museums die Pläne sämtlicher Krematorien von Auschwitz und Birkenau entdeckt, einige davon veröffentlicht und so die physikalischen und chemischen Unmöglichkeiten jeglicher Menschenvergasung in diesen Gebäuden bewiesen hatte.

3.2. Keine Photographie der »Gaskammer« des Krematorium II

Ebensowenig wagt Pressac es, die Ruinen dessen abzubilden, was man unverschämterweise als die Gaskammer des Krematorium II von Birkenau bezeichnet und was in Wahrheit ein halbunterirdischer Leichenkeller war. DIE HEUTE EINGESTÜRZTE BETONDECKE WIES GANZ OFFENBAR KEINERLEI ÖFFNUNG AUF, DURCH DIE MAN IRGENDETWAS HÄTTE EINSCHÜTTEN KÖNNEN. Die beiden einzigen Löcher, die man heute erkennen kann, wurden erst nach dem Krieg angebracht: die Bewehrungseisenstruktur mit ihren verkrümmten und zurückgebogenen Eisenstangen legt davon Zeugnis ab. Folglich ist Pressacs These, wonach die SS-Leute Zyklongranulate durch vier zu diesem Zweck geschaffene Öffnungen in diese »Gaskammer« schütteten, aus rein physischen Gründen unhaltbar, die jedermann selbst an Ort und Stelle nachprüfen kann.

3.3. Kein Wort über die Expertisen

Der Verfasser erwähnt die Expertisen des Amerikaners Fred Leuchter und des Deutschen Germar Rudolf sowie die technische Studie des Österreichers Walter Lüftl mit keinem Sterbenswörtchen, die allesamt zum Ergebnis kamen, es habe in Auschwitz und Birkenau keine Exekutionsgaskammern gegeben.[14]

Und nicht genug damit: er verliert auch kein Wort über das Krakauer Gutachten. Um Leuchter zu widerlegen, hatten die Verantwortlichen des Auschwitz-Museums beim gerichtsmedizinischen Institut Krakau ein Gegengutachten in Auftrag gegeben: das Ergebnis fiel so aus, daß dieses vom 24. September 1990 datierende Gegengutachten gleich im Giftschrank verschwand.[15] Mit welchem Recht enthält Pressac seinen Lesern diese wissenschaftlichen Elemente des Auschwitz-Dossiers vor? Wenn ihm diese Expertisen nicht in den Kram paßten, wäre es seine Pflicht gewesen, es uns in seinem Buch mitzuteilen und ein eigenes Gutachen vorzulegen. Es ist überhaupt hohe Zeit, daß wir von den Kritikern der Revisionisten verlangen, sie möchten doch bitteschön eine Expertise der angeblich in Auschwitz und Birkenau verwendeten Tatwaffe erstellen. Eine wissenschaftliche Untersuchung von Gebäuden (oder Ruinen), die erst ein halbes Jahrhundert alt sind, ist ein kinderleichtes Unterfangen. Wieso verweigert man eine solche Expertise oder Untersuchung hartnäckig, und dies zu einem Zeitpunkt, da man behauptet, wie die Revisionisten den Weg einer wissenschaftlichen Geschichtsschreibung eingeschlagen zu haben?

3.4. Keine vollständige Photographie aus dem Album d’Auschwitz (Album von Auschwitz).

Das wertvollste Dokument, das wir über die Realitäten von Auschwitz besitzen, ist eine Sammlung von 189 Photos, die man gewöhnlich als das Album d’Auschwitz – Album von Auschwitz – bezeichnet. Diese Photosammlung versetzt den Märchengeschichten über das Los der 1944 in Auschwitz-Birkenau eingetroffenen Juden einen herben Schlag. Sie ist für die Exterministen dermaßen peinlich, daß diese seit seiner 1945 erfolgten Entdeckung volle 36 Jahre verstreichen ließen, ehe sie sie 1981 endlich vollständig veröffentlichten. Bis zu jenem Jahre waren lediglich einige Photos bekannt, die gewissermaßen tropfenweise in verschiedenen Werken auftauchten. Als es 1981 schließlich so weit war, konnte man es sich nicht verkneifen, der Veröffentlichung einen ganzen Roman aus der Feder Serge Klarsfelds über die »wunderbare« Entdeckung jenes Albums beizufügen. Zwei Jahre später vertraute derselbe S. Klarsfeld Pressac die Aufgabe an, bei den Editions du Seuil, einem der größten französischen Verlage, eine »vervollständigte Ausgabe« (sic) zu publizieren;[16] (man vergleiche hierzu R.H.R., Nr. 3, Zusatz 3: »Les Tricheries de Pressac dans l’Album d’Auschwitz«, Pressacs Mogeleien im Album von Auschwitz, S. 149 – 152).

Abgesehen von der auf dem Buchumschlag abgebildeten Jüdin (sie entstammt dem Ausschnitt einer der Photographien aus dem Album) reproduziert Pressac nicht ein einziges Photo aus dieser wertvollen Sammlung!

3.5. Kein Wort über die Luftaufnahmen

Pressac legt nicht eine der 1979 von den Amerikanern Dino A. Brugioni und Robert G. Poirier veröffentlichten Luftaufnahmen von Auschwitz und Birkenau[17] vor. Diese Aufnahmen beweisen nämlich klipp und klar, daß es vor den Krematorien niemals Menschenansammlungen gab, daß aus den Kaminen nie dichte Rauchwolken stiegen (auf S. 118 seines Buchs erwähnt Pressac »zwei wuchtige Schornsteine, aus denen die Flammen schlugen«), und daß es sich bei den »Verbrennungsgruben« um ein pures Phantasiegebilde handelt.

3.6. Kein Wort über das Leichenhallenbuch

Man mußte sich bis zum Jahre 1989 gedulden, ehe das Auschwitz-Museum geruhte, die Existenz des Leichenhallenbuchs von Auschwitz I zu enthüllen (dieses ist nicht mit den Sterbebüchern oder Totenbüchern zu verwechseln, in denen alle Sterbefälle festgehalten wurden).

1989 teilte uns Danuta Czech in ihrer neuen Ausgabe des Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939 – 1945 mit, sie habe in der ersten Ausgabe desselben Kalendariums, das in sechs Teilen erschien (nämlich in den Heften von Auschwitz Nr. 2 von 1959, Nr. 3 von 1960, Nr. 4 von 1961, Nr. 6 von 1962, Nr. 7 und 8 von 1964 sowie schließlich Nr. 10 von 1967), die Existenz des wertvollen Registers der zwischen dem 7. Oktober 1941 und dem 31. August 1943 in der Leichenhalle des Krematorium I aufgebahrten Toten seltsamerweise »vergessen« (Kalendarium, 1989, S. 10 und passim ). Auch wenn es gut möglich ist, daß einige dieser Toten in der Anfangszeit des Lagers bestattet und nicht kremiert wurden, handelt es sich hier zweifellos um ein Dokument, welches uns eine Vorstellung von der tatsächlichen und nicht bloß von der theoretisch möglichen Zahl der durchgeführten Einäscherungen vermitteln würde.

Auch viele andere mit der Verbrennung der Toten in Verbindung stehende Dokumente übergeht Pressac mit Stillschweigen, beispielsweise die Todesanzeigen, aus denen hervorgeht, daß die Leiche kremiert wurde, die Telegramme oder Telexe, in denen die Sterbefälle vermeldet wurden, die Urnenverschickungsbestätigungen, die Rapporte, welche die Gesamtzahl der eingeäscherten oder in der Leichenhalle aufgebahrten Leichen darlegen (siehe z.B. für Buchenwald die in Reimund Schnabels Macht ohne Moral, Frankfurt, Röderberg-Verlag, 1957, S. 346, abgebildete Totenmeldung).

Der Mythos, demzufolge die zur Vergasung Bestimmten nicht registriert wurden, konnte Pressac nicht von seiner Verpflichtung entbinden, uns diese Nachweise in einem Die Krematorien von Auschwitz betitelten Buch zu liefern.

3.7. Andere verschwiegene Dokumente

Noch andere Dokumente werden verschwiegen, beispielsweise jene, die sich auf die Anforderungen von Holz-, Kohle- und Kokszuteilung sowie um die Lieferung jeder Art von Brennstoff für die Krematorien beziehen, ganz abgesehen von den Dokumenten, welche den Beweis dafür erbringen, daß die Öfen keinesfalls 24 Stunden pro Tag funktionieren konnten (vgl. die in Auschwitz : Technique and Operation of the Gas Chambers (A.T.O.) auf S. 136 abgelichteten Bedienungsanweisungen).

3.8. Was Pressac sonst noch verschweigt

Ich wiederhole hier nicht, was ich in meiner Besprechung von Pressacs erstem Werk (A.T.O.) unter der Überschrift »Trois petits secrets de Pressac« – Drei kleine Geheimnisse Pressacs – (R.H.R. Nr. 3, S. 134-135) sowie unter der Rubrik »Omissions délibérées« – Bewußte Auslassungen – (a.a.O, S. 137-140) dargelegt habe.[18] Wollte man ausführlich dokumentieren, wie sehr sich Pressacs Thesen über Auschwitz im Laufe der letzten elf Jahre verändert haben, und wie er oft Kehrtwendungen um 180 Grad vornimmt, so müßte man ein ganzes Kapitel schreiben. Pressac bewahrt über diese Kehrtwendungen wohlweislich Schweigen. Er verrät seinen Lesern auch nicht, daß er weiland ein totes Kaninchen in einem Loch in seinem Garten zu verbrennen versuchte, um herauszufinden, ob die Geschichten glaubwürdig sind, denen zufolge die Deutschen Tausende von Leichen in »Verbrennungsgruben« eingeäschert haben sollen. Trotz mehrfacher Bemühungen gelang dies Pressac nicht. Er folgerte daraus, daß Grubenverbrennungen aufgrund der mangelnden Sauerstoffzufuhr unmöglich sind, besonders in Auschwitz, wo, wie ich im Vorhergehenden dargelegt habe, der Grundwasserpegel manchmal fast bis an die Oberfläche reichte (S. 63). Wie wir im folgenden sehen werden (S. 72, 81) hindert dies ihn freilich nicht daran, in seinem Buch zu behaupten, in Auschwitz hätten die Deutschen ihre Opfer manchmal in »Verbrennungsgruben« eingeäschert und gelegentlich sogar lebend in »die brennenden Gruben« gestoßen (S. 117)!

Pressac begnügt sich keinesfalls damit, eine große Anzahl von hochwichtigen Tatsachen und Dokumenten zu verschweigen, sondern greift auch zu anderen Mitteln, um die Wahrheit über Auschwitz zu verschleiern. Er nimmt dabei sowohl zu herkömmlichen als auch zu ihm persönlich eigenen Tricks Zuflucht.

 

4. Tricks, die Pressac von anderen Historikern übernimmt

Ob es sich nun um die von Pressac zugegebenen Offenkundigkeiten oder um die von ihm verschwiegenen Realitäten handelt: alles weist darauf hin, daß man in Auschwitz keine Spur eines Völkermordes oder von Exekutionsgaskammern findet. Wer die Ausrottungsthese trotzdem verbissen verteidigen will, muß notgedrungen in die Trickkiste greifen. Dies tut unser Möchtegernhistoriker denn auch weidlich, wobei er reichlich aus dem Arsenal seiner erlauchten Vorgänger schöpft: er holt die Tricks aus der Mottenkiste, deren sich vor ihm schon Léon Poliakov, Georges Wellers, Pierre Vidal-Naquet, Raul Hilberg und Christopher Browning bedient haben und mit denen auch ein französisches Gericht gearbeitet hat (vgl. R.H.R. Nr. 3, S. 204-205, sowie Nr. 4, S. 192-193). Diese Tricks sind zumindest vierfacher Art: Unbewiesene Behauptungen, Rückgriff auf unverifizierte Zeugenaussagen, Entzifferung eines angeblichen Codes und schließlich das Zusammenstellen nicht von Beweisen, sondern eines kunterbunten Haufens von Viertelbeweisen, »Schnitzern« und »Fehlleistungen«, welche die SS-Leute hinterlassen haben sollen.

4.1. Unbewiesene Behauptungen

In A.T.O. erwähnte Pressac wenigstens fünfmal (S. 115, 313, 464, 501, 533) einen »am 26. November 1944 von Himmler erteilten Befehl zur Zerstörung der Krematorien II und III von Birkenau, womit die Vergasungen offiziell eingestellt wurden«. In meiner Besprechung jenes Buches schrieb ich: »Unser Autodidakt wiederholt hier lediglich ungeprüft, was namhafte jüdische Autoren (mit Variationen hinsichtlich des Datums) behauptet haben« (R.H.R. Nr. 3, S. 83-84). Was tut nun unser Autodidakt in seinem neuen Buch? Er schreibt: »Ende November [1944] wurden auf mündlichen Befehl Himmlers die Vergasungen eingestellt« (S. 120), liefert aber wohlverstanden keinen Beleg für diesen Befehl, den er nun als »mündlich« bezeichnet und dessen genaues Datum er plötzlich nicht mehr nennt. Nicht minder willkürlich schreibt er, am 17. Juli 1942 habe Himmler »einer Tötung durch Giftgas in Birkenau« beigewohnt (S. 156). Unverzagt stellt er die Behauptung auf, die physische Ausrottung der Juden sei

»von den SS-Befehlshabern in Berlin [welchen?] nicht vor Mai/Juni 1942 beschlossen und in der Folge [wann genau denn?] von der SS-Bauleitung Auschwitz und den Ingenieuren der Firma J.A. Topf und Söhne aus Erfurt technisch umgesetzt«

worden (S. 2). Er schenkt sich jeglichen Beweis und jegliche Zeugenaussage für seine Aussagen, daß man im Bunker 2 Menschen vergast hat (S. 52), daß »am 4. Juli ein Transport slowakischer Juden erstmals “aussortiert”« [sprich: »vergast«] worden sei (S. 54), daß »im November 1942 die SS-Bauleitung beschloß, Gaskammern in den Krematorien einzurichten« (S. 83), daß der Lüftungssspezialist Karl Schultze »von Prüfer über den besonderen Verwendungszweck der Be- und Entlüftung im Leichenkeller 1 [des Krematoriums II] in Kenntnis gesetzt worden war« (S. 91). Unter einem »besonderen Verwendungszweck« versteht Pressac Menschenvergasungen. Im gleichen Stil behauptet er, die SS habe »in 70 Tagen bis zu 300.000 Menschen einäschern können« (S. 148 der französischen Originalausgabe; in der deutschen Version fehlt der betreffende Passus), zwei Vorarbeiter hätten beim Hinabsteigen von einem Gerüst oder Dach »den Vorarbeitern der anderen Firmen« von »der Feuersbrunst, die das Grün des Waldes in der Sperrzone gelblich-rot färbte« erzählt (S. 73/74), und man sei »Ende Oktober 1942 auf die an sich logische Idee, die Vergasungen von Bunker 1 und 2 in einen Raum des Krematoriums zu verlegen« gekommen (S. 75).

Getreu seiner Gewohnheit, unbewiesene Behauptungen aufzustellen, holt Pressac ein hochbetagtes antideutsches Ammenmärchen wieder aus der Rumpelkammer: dasjenige vom Krematorium in Dachau, »zu dem eine Gaskammer gehörte«, welche aber »glücklicherweise nie in Betrieb genommen« wurde (S. 87).

Es ließen sich zahlreiche andere Aussagen dieser Art anführen, die zu beweisen oder doch wenigstens mit einer Zeugenaussage zu untermauern, sich Pressac gar nicht die Mühe nimmt. Die verhältnismäßige Kürze seines Buches entschuldigt das Fehlen von Belegen, Zeugenaussagen und Hinweisen auf genaue Quellen für die von ihm aufgestellten Behauptungen – oder vielmehr schwerwiegenden Beschuldigungen – in keiner Hinsicht.

4.2. Der Rückgriff auf Zeugenaussagen

Pressac vergißt sein im Vorwort erteiltes Versprechen, er komme ohne Zeugenaussagen aus, schon sehr bald und greift in seinem Buch fortlaufend auf solche zurück, beispielsweise auf die des SS-Manns Pery Broad oder die des ersten Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß oder diejenigen der Häftlinge Henryk Tauber und David Olère sowie die Aussagen vieler Zeugen, die namentlich zu nennen er vermeidet; in letzteren Fällen nimmt er auf das Kalendarium der Danuta Czech Bezug, welche sich selbst auf Zeugenaussagen stützt.

Es braucht schon eine gehörige Dosis Unverfrorenheit, sich auf die Aussagen des SS-Manns Pery Broad zu berufen, die Pressac zu allem Überfluß noch manipuliert (S. 22).[19] 1989 schrieb er von dieser Zeugenaussage noch, sie werfe »Probleme« auf, und ihre Form sowie ihr Ton »wirkten falsch«; er fügte hinzu, die uns bekannte Version sei »offensichtlich von einem etwas gar zu feurigen polnischen Patriotismus gefärbt«, man kenne das Originalmanuskript nicht, und die Polen hätten P. Broads Erklärungen »überarbeitet« (A.T.O. S. 128).[20]

Der von Pressac sehr häufig zitierte Augenzeugenbericht von Höß (man vergleiche die Eintragungen unter dem Stichwort »Höß« in Les Crématoires d’Auschwitz) ist heutzutage gründlich diskreditiert. 1989 schrieb Pressac selbst, für die von Höß »in seiner Autobiographie begangenen zahlreichen Irrtümer« fänden eine Erklärung: »Er war gegenwärtig, ohne zu sehen« (A.T.O., S. 128), was für eine als »Augenzeuge« dargestellte Person, gelinde gesagt, etwas merkwürdig anmutet. 1993 erledigt er seinen eigenen Zeugen in der langen Anmerkung 132 (S. 136), wo er im Zusammenhang mit Höß folgende Ausdrücke benutzt: »grobe Unwahrscheinlichkeit; deutlicher Anachronismus; zeitliche Irrtümer; angeblicher Besuch; was die von ihm angeführten Sterbeziffern betrifft, so sind sie in der Regel mit zwei oder drei multipliziert worden.« Er folgert: »Höß kann, trotz der wesentlichen Rolle, die er bei der “Endlösung” gespielt hat, heutzutage nicht mehr als verläßlicher Zeuge in bezug auf Daten und Zahlen angesehen werden.«

Was den jüdischen Schuster Henryk Tauber betrifft (Anmerkungen 203 und 223), so hatte Pressac 1989 seine schwerwiegenden »Irrtümer« und »Widersprüche« aufgezählt und war zum Schluß gekommen, Tauber habe in Wirklichkeit niemals Menschenvergasungen beigewohnt; unter dem Einfluß »des politischen Klimas jener Epoche«, so erklärt er, habe sich Tauber grobe Übertreibungen zuschulden lassen kommen (A.T.O., S. 483-484, 489, 494).

Gehen wir zu David Olère über. Dessen Tuschezeichnungen werden von Pressac als »Dokumente« präsentiert (vgl. Dok. 31, 32, 33, 35). 1989 hatte es noch geheißen, jener Zeuge habe unter dem »Krematoriendelirium« gelitten (A.T.O., S. 556). Tatsächlich sind Olères Zeichnungen groteske Märchen. Eine davon wurde 1989 von Pressac mit folgenden Worten kommentiert: »Ob dieses Bild nun bloße Frucht der Phantasie ist oder tatsächlich Gesehenes wiedergibt, jedenfalls ist es das einzige, welches eine Menschenvergasung zeigt« (A.T.O., S. 258). Bemerkenswerterweise kamen auf jener Zeichnung die Zyklongranulate aus einer auf dem Boden der »Gaskammer« liegenden Büchse, was im Widerspruch zu Pressacs These steht, die Granulate seien von außen her durch einen »vergitterten Schacht zum Einstreuen von Zyklon B« (Dok. 31, Zeichnung von David Olère) in die Todeskammer eingeführt worden.

Hinsichtlich der anderen Zeugenaussagen, bei denen Pressac weder die Quellen noch den Namen des Zeugen verrät, verweist er in Anmerkungen jeweils auf das Kalendarium der Danuta Czech. Doch schenkt man ihm Glauben, so besitzen dieses Kalendarium sowie die darin zitierten Zeugenaussagen kaum Beweiswert. Pressac schreibt nämlich:

»Die Arbeit von Danuta Czech, die ohne Angabe von Gründen bestimmte Zeugenaussagen auf Kosten anderer bevorzugt und lieber Zeugenaussagen zuzieht, statt sich auf Dokumente zu stützen, bietet den Kritikern eine Angriffsmöglichkeit. Diese eigenartige historische Orientierung liegt auch der dritten Ausgabe […] des Kalendariums… von Czech zugrunde, die gerade in Polen erschienen ist. Auch der Bauleitungs-Fundus aus dem Moskauer Zentralarchiv wird nicht berücksichtigt. Diese Tatsachen mindern den Wahrheitsgehalt dieses fundamentalen Werkes, das leider unter einem zu sehr von den politischen Spannungen der 60er Jahre beeinflußten Blickwinkel entstanden ist« (Anmerkung 107).

Wenn dem so ist, warum verweist Pressac dann ständig auf eine seinen eigenen Worten nach dermaßen fragwürdige Quelle?

Man stellt mit Erstaunen fest, daß Pressac 1993 zwei Zeugen schon gar nicht mehr der Erwähnung würdig befindet, die er vier Jahre zuvor in seinem großen, auf englisch geschriebenen Werk (A.T.O.) ausgiebig zitierte: Miklos Nyiszli, den angeblichen Verfassers des Bestsellers Médecin à Auschwitz (Arzt in Auschwitz, 1989 unter dem Titel Jenseits der Menschlichkeit beim Dietz-Verlag, Berlin, neu auf deutsch aufgelegt; Anmerkung des Übersetzers), und Filip Müller, den angeblichen Autor des von der LICRA, der Liga gegen Rassismus und Antisemitismus, mit einem Preis gekrönten Bestsellers Trois ans dans une chambre à gaz d’Auschwitz (Drei Jahre in einer Gaskammer von Auschwitz, 1979 auf deutsch unter dem Titel Sonderbehandlung. Drei Jahre in den Krematorien und Gaskammern von Auschwitz beim Verlag Steinhausen, München, erschienen; Anmerkung des Übersetzers). Ob da wohl meine Bemerkungen über seine mißbräuchliche Verwendung jener Zeugenaussagen etwas gefruchtet haben (vgl. R.H.R., Nr. 3, S. 126-130, »Drôlerie (involontaire) de Pressac à propos de M. Nyiszli«, (Unfreiwillige) Posse Pressacs im Zusammenhang mit M. Nyiszli, sowie S. 123)?

Klammheimlich macht sich Pressac auch die Zeugenaussage des Filip Müller zunutze, den er freilich nicht zu nennen wagt. Kommen wir nochmals auf die »Verbrennungsgruben« zurück:

»Gegen Ende des Sommers, als das Zyklon B allmählich knapp wurde, wurden die “Arbeitsunfähigen” aus den Transporten, die noch immer nach Auschwitz geleitet wurden, ohne weitere Umstände lebendig in die brennenden Gruben von Krematorium V oder von Bunker 2 gestoßen« (S. 116-117).

Die Anmerkung 293, welche diesem Satz folgt, verweist auf folgende Quelle: »Hermann Langbein, Der Auschwitz-Prozeß, eine Dokumentation, Band I, Europa Verlag, Wien 1965, S. 88«. Zieht man das erwähnte Buch zu Rate, und schlägt man dort die genannte Seite auf, genauer gesagt die Seiten 88 und 89, so entdeckt man, daß die Zeugenaussage über die lebend in die Verbrennungsgruben geschleuderten Opfer von F. Müller stammt. Dieser liefert noch zusätzliche Weisheiten, über die Pressac den Schleier des Schweigens hüllt: diese Gruben waren 2,50 m tief (was in einem wasserüberfluteten Gebiet und wegen des verschärften Sauerstoffmangels ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre), und

»[…] man schöpfte das von den brennenden Leichen abfließende Fett ab und goß es zur Beschleunigung des Verbrennungsvorgangs auf die Leichen zurück.« (!)

4.3. Die Entzifferung des Codes

Viele Historiker haben behauptet, die Deutschen hätten sich zur Kennzeichnung ihrer angeblichen Judenausrottungspolitik eines »Codes« oder einer »Tarnsprache« bedient. Diese Historiker schoben gleich eine zweite Behauptung nach, nämlich die, sie besäßen den Schlüssel zum Code. Dementsprechend bestand ihre Arbeit in der »Entschlüsselung«, d.h. darin, in den Dokumenten das zu finden, das sie selbst hineinlasen. Man muß es ihnen neidlos lassen, daß sie beim Entziffern ganze Arbeit geleistet haben. 1989 prangerte Pressac den »Mythos« vom Code oder der Tarnsprache an (A.T.O., S. 247, 556).

1993 gibt er sich selbst der Unart hin, die er vier Jahre zuvor noch gegeißelt hat. Er widmet sich emsig dem Entschlüsseln. Ihm zufolge bedeutete die »Endlösung der Judenfrage« schließlich die Liquidierung der Juden (so der Sinn seiner Ausführungen auf S. 34), und unter einem »Sonderkommando« verstand man angeblich eine Equipe von Juden, welche die Leichen der Vergasten zu den Verbrennungsgruben schaffen mußten (S. 54). Die Formulierungen »Sonderbehandlung« oder »Judenumsiedlung« seien Tarnbegriffe für die »Liquidierung […] durch Gas« der »Arbeitsunfähigen« gewesen (S. 57). Hinter den Wendungen »Sonderaktionen« oder »behandelt« habe sich die gleiche entsetzliche Bedeutung verborgen (S. 81, 98).

Gelegentlich läßt Pressac allerdings Zweifel durchblicken. So gibt er zu, daß der Ausdruck »Sonderaktion« je nachdem nur die Bedeutung eines polizeilichen Eingreifens im Lager Auschwitz aus Anlaß eines spontanen Streiks der Zivilarbeiter hatte (S. 80), während sich hinter »Sondermaßnahmen« unter Umständen lediglich sanitäre Maßnahmen verbargen (S. 105 sowie Anmerkung 256).

Was den Ausdruck »Sonderbehandlung« betrifft, so sollte Pressac aufmerksamer lesen, was er selbst zitiert. Wenn er uns berichtet, einer der Lagerverantwortlichen habe die Summe von 60.000 RM für »4 Stück Baracken für Sonderbehandlung der Häftlinge in Birkenau« beantragt (S. 56-57), dann lag der Grund dafür, wie aus dem Text unzweideutig hervorgeht, darin, daß man Häftlinge in Baracken unterbringen und nicht darin, daß man Neuankömmlinge in die Gaskammern schicken wollte.

4.4. Die »Fehlleistungen« der SS

Als »kriminelle Fehlleistung«[21] bezeichnet der Autor jeglichen Hinweis auf

»einen unüblichen Gebrauch der Krematorien […], der in irgendeinem Dokument (Schriftstück, Plan, Photographie) erscheint und sich nur dadurch erklären läßt, daß hier Tötungen durch Giftgas an Menschen vorgenommen wurden« (S. 76).

Anscheinend läuft diese Definition in der Praxis darauf hinaus, daß immer dann, wenn Pressac – und niemand anderes als Pressac – bei der Verwendung der Krematorien (der Krematoriumsöfen?) einem Detail auf die Schliche kommt, das ihm, dem Apotheker, anormal vorkommt, und das er, der Apotheker, sich einfach nicht erklären kann, zwangsläufig ein Hinweis auf ein grauenvolles Verbrechen vorliegen müsse. Wenn man sich vor Augen hält, daß selbst der qualifizierteste Gelehrte vor einem Problem seines Fachbereichs oft ratlos dasteht, und wenn man bedenkt, daß der Anfang der Weisheit darin liegt, zu schweigen, wenn man etwas nicht versteht, dann kann man über die Einfalt und die Einbildung des Apothekers nur den Kopf schütteln. Der Autor sollte sich seine eigene Erfahrung in Erinnerung rufen. In seinem 1989 erschienenen Werk wandte er ein ganzes Kapitel (Kapitel VIII) zur Darlegung von… 39 »Fehlleistungen« auf. Heute scheinen nur noch fünf oder sechs dieser »Fehlleistungen« übriggeblieben zu sein, was bedeuten würde, daß Pressac für gut dreißig Details, die ihm vor vier Jahren noch als Indizien eines schauderhaften Verbrechens erschienen, inzwischen eine Erklärung gefunden hat. In meiner 1990 erschienenen Rezension habe ich mich mit diesen 39 »Fehlleistungen« befaßt (R.H.R., Nr. 3, S. 89-104), und ich verweise den Leser auf meine damaligen Ausführungen. Hier gehe ich nur noch auf einige dieser alten sowie auf die paar neuen »Fehlleistungen« ein, die Pressac entdeckt haben will.

4.4.1. Das »Verschwinden« der Leichenrutsche (S. 81)

Diese Leichenrutsche ist keinesfalls verschwunden, um einer Treppe Platz zu machen, über welche die Todgeweihten zu Fuß in die vor der »Gaskammer« gelegene »Entkleidungskammer« gelangten.

Wenn die Rutsche auf einem vom 19. Dezember 1942 stammenden Planausschnitt fehlt, dann wahrscheinlich aus dem einfachen Grund, daß die Zeichnung des Architekten nur eine auf die Straße führende Treppe darstellt und folglich kein Grund zum Einbezug einer Rutsche vorlag, die ohnehin neun Monate später auf einem Plan vom 24. September 1943 erscheint (A.T.O., S. 327). Noch heute sind die Überreste dieser schiefen Ebene oder Rutsche in den Ruinen des Krematoriums III sichtbar; sie diente für einen Karren, auf dem man die Leiche(n) transportierte. 1989 erwähnte Pressac dies noch selbst und präsentierte auch gleich noch eine Photographie dieser Überreste (A.T.O., S. 544 und 545)! Was die schmale Treppe zur angeblichen »Entkleidungskammer« betrifft, so ergibt der Augenschein, daß sie zu klein gewesen wäre, um großen Menschenmengen Einlaß zu ermöglichen.

4.4.2. Der Vergasungskeller (S. 88)

Da die uns zur Verfügung stehenden Pläne so ungenau sind, kann niemand genau sagen, wo sich dieser »Vergasungskeller« befand und worin seine genaue Funktion bestand. Es könnte sich um einen Keller handeln, wo man Desinfektionsmaterial stapelte: Zyklondosen, Gasmasken, Filterdetektoren, Unterlagen für die Zyklongranulate, Geräte zum Öffnen der Dosen etc. Allerdings sind auch andere Deutungen möglich (vgl. R.H.R., Nr. 3, S. 100-103).

4.4.3. Eine gasdichte Tür und vierzehn falsche Duschen (S. 102)

Ich verweise hier auf meine Rezension, in der ich hervorhob, daß das Vorhandensein gasdichter Türen sowie von Duschen in einem Krematorium eine ganz normale Sache ist (R.H.R., Nr. 3, S. 95-99). Halten wir übrigens fest, daß in dem deutschen Dokument nicht von vierzehn (falschen) Duschen, sondern von vierzehn echten Duschköpfen die Rede ist.

4.4.4. Die Heizung der »Gaskammer« (S. 93-94)

Wiederum verweise ich auf meine Rezension (R.H.R., Nr. 3, S. 104), und ich füge hinzu, daß der Vorschlag zur Installierung einer Heizung einige Tage nach seiner Unterbreitung fallengelassen wurde, was Pressac auch selbst zugibt (S. 100). Es lohnt sich folglich nicht, noch lange darüber zu reden.

4.4.5. Die Vorrichtung zur Einführung des Zyklon B (S. 100)

Auch hier muß ich wieder auf meine Rezension hinweisen (R.H.R., Nr. 3, S. 99-100). Ich wiederhole, daß, wie man noch heute feststellen kann, in der Decke der angeblichen Gaskammer keine Öffnung für eine solche Vorrichtung vorhanden ist. Zudem hat mich der italienische Revisionist Carlo Mattogno zu Recht darauf aufmerksam gemacht, daß Pressac einen Übersetzungsfehler begangen hat: Er hat das deutsche Wort »Drahtnetzeinschubvorrichtung« mit »dispositif d’introduction en treillis de fil de fer« – »Drahtnetz-einführungsvorrichtung« – übersetzt und als »colonnes grillagées de versement du Zyklon B« – »Drahtsäulen zum Einschütten des Zyklon B« gedeutet. »Einschieben« ist aber nicht das gleiche wie »einschütten«. Möglicherweise bezeichnet dieses deutsche Wort gitterförmig angeordnete Betoneisen, mittels deren man irgend einen Bestandteil einfügen oder einbauen konnte.

4.4.6. Das Holzgebläse (S. 90 und Dok. 26)

Ein Gebläse besteht oft aus Holz. Pressac erklärt die Tatsache, daß das von ihm erwähnte Gebläse aus Holz bestand, damit, daß ein metallenes Gebläse durch die Wirkung des aus der Gaskammer abgesogenen Gases korrodiert wäre. Zehn Seiten weiter (S. 100) sagt er, die SS habe einige Tage später beschlossen, »das Holzgebläse für die Entlüftung der Gaskammern durch ein Schmiedeeisen-Gebläse zu ersetzen«. Pressac zieht dafür folgende Erklärung an den Haaren herbei: »Schultze hatte die Gefahren der Korrosion übertrieben« (a.a.O.). Diese Gebläsegeschichte ist nebenbei kennzeichnend für Pressac: Schaumschlägerei, Wirrwarr und unfähige SS-Leute, welchen er Gedankengänge unterstellt, die er selbst von Anfang bis Ende frei erfunden hat.

4.4.7. Die »normalen« und »anormalen« Gaskammern (S. 114)

Ein konfuser Absatz befaßt sich mit der »ungeheuerlichen “Fehlleistung”«, die ein einfacher Zivilangestellter beim Abfassen eines Briefs an die »Testa« begangen haben soll, jene Firma, welche das Zyklon an die Besteller lieferte. Diese »Fehlleistung« habe darin bestanden, daß im Brief von »Normalgaskammern« die Rede war, und im Antwortbrief der »Testa« habe derselbe Ausdruck gestanden! Pressac folgert daraus messerscharf, es müsse also auch »anormale Gaskammern«, d.h. Exekutionsgaskammern, gegeben haben! Den Text dieses Briefwechsels gibt er nicht wieder. Er begnügt sich mit einer – ziemlich wirren – Zusammenfassung, aus der allem Anschein nach hervorgeht, daß die »Normalgaskammern« für die Entwesung mit Zyklon B konzipiert waren, während die »anormalen« Gaskammern nach einer »Anpassung der Apparatur« für die Entwesung mit einem anderen Insektizid – Areginal – dienten. Der Grund dafür lag darin, daß Zyklon B im Mai 1944 knapp war.

4.4.8. Die zehn Anzeigegeräte für Blausäure-Reste (S. 92)

Mit den Anzeigegeräten für Blausäure-Reste lassen wir die Durststrecke der »Fehlleistungen«, der »kriminellen Indizien« und »Halbbeweise« glücklich hinter uns und kommen nun endlich zu einem »definitiven Beweis«, nein, sogar »zum definitiven Beweis« schlechthin.

Worum geht es?

Um »das Vorhandensein einer Gaskammer [d.h. einer Exekutionsgaskammer] im Krematorium II« (S. 93). Man staunt nicht schlecht darüber, daß auf einem ganz gewöhnlichen Geschäftsbrief das riesenhafte Gebäude der schwerwiegendsten Anklage beruht, die man gegen das deutsche Volk richten konnte.

Am 2. März 1943 sandte die Erfurter Firma Topf & Söhne der Zentralbauleitung des Lagers Auschwitz einen Brief, in dem es um die Bestellung von zehn Anzeigegeräten für Blausäure-Reste für das Krematorium II ging. Daran ist überhaupt nichts Merkwürdiges. Es handelt sich um einen Geschäftsbrief ohne jeglichen geheimen Inhalt. Als Überschrift figurieren die Worte »Krematorium, Gasprüfer«. Die Geräte werden als »Anzeigegeräte für Blausäure-Reste« bezeichnet. In meinem Buch Mémoire en défense… (La Vieille Taupe, 1980, S. 171) hatte ich von einem »appareil de détection du gaz restant« gesprochen, was die französische Entsprechung für das deutsche »Gasrestnachweisgerät« ist.[22] Diese Geräte gab es überall, wo man Vergasungsmaterial stapelte, und überall, wo man Entwesungsaktionen mit Zyklon B vornahm. In Anbetracht der verheerenden Typhusepidemien in Auschwitz sowie der zahlreichen Leichen von Typhusopfern, die in den Krematorien aufgebahrt wurden, waren Operationen zur Entwesung dieser Örtlichkeiten manchmal erforderlich, und die Verwendung dieser Nachweisgeräte mit hochempfindlichem Papier war völlig normal. Seit 1922[23] wird Zyklon bis zum heutigen Tage zur Entwesung von Wohngebäuden, Silos, Bibliotheken, Schiffen usw. benutzt.

Bei manchen der Tricks, die Pressac von anderen Historikern übernommen hat, entdeckt man oft ein gerütteltes Maß an Ignoranz oder Unehrlichkeit, doch werden wir nun sehen, daß der Apotheker darüber hinaus noch Betrügereien anwendet, die ihm eigen sind.

 

5. Die Pressac eigenen Betrügereien

Ich habe im vergangenen mehrfach nachgewiesen, daß Pressac vor Betrügereien nicht zurückschreckt. Wie früher erwähnt (S. 67), trug eine der Ergänzungen zu meiner Rezension seines englischen Buches den Titel »Les Tricheries de Pressac dans L’Album d’Auschwitz« (Pressacs Mogeleien im Album von Auschwitz ), (R.H.R. Nr. 3, S. 149-152). In jener Besprechung hob ich namentlich zwei besonders krasse Beispiele für unlautere Methoden hervor: Im ersten Fall war ein Plan von Birkenau verstümmelt worden; Pressac hatte darauf einen Weg verschwinden lassen, um den Eindruck zu erwecken, daß die Juden, welche diesen Weg beschritten, zwangsläufig in den Krematorien endeten. Im zweiten Fall hatte er die Reihenfolge sowie die Anordnung der Photographien verändert und die Titel der verschiedenen Sektionen massiv und betrügerisch manipuliert.

In Les Crématoires d’Auschwitz gibt Pressac seine unlauteren Machenschaften in beiden Punkten stillschweigend zu. Auf Seite 60 läßt er den Weg, dessen Verschwindenlassen ich ihm seinerzeit vorgeworfen hatte, diskret wieder auferstehen, und die getürkten Photos finden sich nun nirgends mehr, auch nicht jene, die er in seiner 1983 erfolgten Veröffentlichung des Album d’Auschwitz als letzte angeführt und als schlagenden Beweis für die Existenz einer Exekutionsgaskammer präsentiert hatte.

5.1. Willkürliche Einschiebungen

Pressacs Lieblingstaschenspielertrick besteht darin, in einen völlig harmlosen Zusammenhang ein oder mehrere Worte einzuschieben, welche diesen Zusammenhang entstellen und den Eindruck einer von den Deutschen verübten Schandtat erwecken.

Wo, wie wir gesehen haben, in einem Dokument von »vierzehn Duschen« (oder »Brauseköpfen«) die Rede ist (S. 102), spricht der Autor von »vierzehn (falschen) Brauseköpfen«; indem er in Klammern das Wort »falschen« hinzufügt, entstellt er den Sinn des zitierten Dokumentes und deutet an, wir hätten es hier mit einer echten Exekutionsgaskammer zu tun, in der zur Täuschung der Opfer falsche Brauseköpfe installiert wurden.

Hier nun eine aus drei Sätzen bestehende Ausführung über einen Himmler-Besuch in Birkenau:

»Anschließend besichtigte er das gesamte Interessen-Gebiet des Lagers und Birkenau (Dokument 19). Dann wohnte er der “Aussonderung” eines holländischen Juden-Transportes bei, ebenso wie der Vergasung der Arbeitsunfähigen im Bunker 2. Anschließend begab er sich zum “Buna-Werk” in Monowitz, das zum damaligen Zeitpunkt eine einzige riesenhafte Baustelle war (142)« (S. 54-55).

Die erste, sauber dokumentierte Aussage bezieht sich auf einen tatsächlichen Sachverhalt. Auch die dritte, gleichfalls sauber dokumentierte Aussage schildert ein wirkliches Ereignis. Doch die zwischen diesen beiden Sätzen eingebettete Aussage beschreibt ein fiktives Geschehnis: die Episode von der Selektion und der Vergasung, der Himmler beigewohnt haben soll, ist frei erfunden. Doch da sie zwischen zwei tatsächlich geschehenen, dokumentarisch nachweisbaren Ereignissen eingebettet ist, erhält der Leser den Eindruck, auch sie sei tatsächlich geschehen und dokumentarisch nachweisbar.

5.2. Die Verbindung der großen Lüge mit der kleinen Wahrheit

Manchmal wird zunächst eine große Lüge verkündet, der dann eine (dokumentierte) kleine Wahrheit folgt. Man betrachte etwa folgenden Abschnitt:

»Die Opfer, deren Zahl zwischen 550 und 850 liegt, wurden in ein bis zwei Wochen intensiver Arbeit in den beiden Doppelmuffelöfen des Krematoriums eingeäschert. Dadurch wurde der zweite Ofen beschädigt (108)« (S. 42).

Wirft man einen Blick auf das zitierte Dokument, dessen Text uns Pressac nicht mitteilt, so entdeckt man, daß das einzig Wahre an diesem Absatz darin liegt, daß ein gewisser Ofen an einem gewissen Tag beschädigt wurde.

Zuweilen geht auch die kleine Wahrheit der großen Lüge voran, beispielsweise im folgenden Absatz, der sich mit Dr. Wirths, dem Chefarzt des Lagers, befaßt:

»Er sagt ein Wiederaufleben des Fleckfiebers voraus, sofern nicht unverzüglich “Sondermaßnahmen” zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse eingeleitet würden (256). Er führte aus, daß es unnütz sei, den SS-Ärzten eine Selektion der Neuankömmlinge aufzuerlegen, wenn die ausgewählten Arbeitstauglichen sogleich vom Fleckfieber dahingerafft würden, und daß man dann ebensogut gleich alle vom Zug aus direkt in die Gaskammer schikken könne, was einen solchen Aufwand überflüssig machen würde« (S. 105).

Hier liegt die plumpe Lüge in den Worten: »[…] und daß man dann ebensogut gleich alle vom Zug aus direkt in die Gaskammer schicken könne, was einen solchen Aufwand überflüssig machen würde«. Das Ergebnis dieser Verfälschung ist, daß Dr. Eduard Wirths, ein Chefarzt, der sich Sorgen über die hygienische Situation im Lager machte, von Pressac als Mann dargestellt wird, der um die Existenz von Exekutionsgaskammern in Auschwitz »wußte«.

Diese Verquickung von Lüge und Wahrheit würde es natürlich ermöglichen, zu schreiben, Adolf Hitler habe an diesem oder jenem Tag auf dem Berghof die Ausrottung der Juden beschlossen und dann diesen oder jenen Würdenträger des Dritten Reiches zum Tee empfangen, oder auch, unmittelbar vor dem Tee habe Adolf Hitler den Entscheid zur Ausrottung der Juden gefällt; eine Fußnote verwiese auf eine nachprüfbare Quelle, welche die Einladung zum Tee erhärten würde. In diesen beiden Fällen wäre der Schwindel allzu offensichtlich, aber Pressacs Mogeleien hinsichtlich Himmler, Höß oder die SS-Leute in Auschwitz sind einfach weniger leicht zu durchschauen.

5.3. Die Retouchierung der Pläne

Viele von Pressac gezeichneten Pläne sind retouchiert. Der auf Seite 60 abgebildete Plan von Birkenau stellt ein Beispiel dafür dar. Unweit der Zone, wo die Krematorien gelegen waren, befand sich ein großes, rechteckiges Terrain, eine Zone, welche auf den Plänen als »B II f« gekennzeichnet ist. Die linke Seite davon nahm ein Sportplatz, die rechte ein Männerkrankenlager ein. Sowohl der Sportplatz wie auch das Krankenlager waren für die Häftlinge – jüdische wie nichtjüdische – bestimmt. Ihre Existenz war völlig normal. Zwischen diesem Sportplatz und dem Garten des Krematoriums III gab es nur eine aus einfachem Stacheldraht bestehende Abgrenzung, welche den Spielern und Zuschauern den Blick auf das Krematorium keineswegs verwehrte. Doch den Vertretern der Ausrottungstheorie bereitet das Vorhandensein eines für die Häftlinge eines »Vernichtungslagers« bestimmten Sportplatzes und Krankenlagers nicht wenig Bauchgrimmen. Wie soll man sich insbesondere die Tatsache erklären, daß die SS ganzen Scharen von Häftlingen einen direkten Blick auf das Krematorium ermöglicht haben soll, in dem angeblich streng geheime Dinge geschahen und vor dem, wie man uns erzählt, tägliche Tausende von Opfern Schlange standen?

Da Pressac die heute allzu bekannte Existenz des Krankenhauses nicht mehr vertuschen kann, hat er dafür einen Weg gefunden, um den genierliche Sportplatz mit Ausblick auf ein Krematorium verschwinden zu lassen. Auf seinem Plan auf Seite 60 läßt er auf der rechten Seite, wo das Krankenlager lag, ein leeres weißes Feld, und auf der linken Seite, wo er »Sportplatz« hätte hinschreiben müssen, schreibt er »B II f: Krankenlager«.[24] Ein schäbiger Taschenspielertrick!

Auch andere Pläne, so der auf S. 116 wiedergegebene, sind getürkt, beispielsweise indem dort schwarz auf weiß »Gaskammer« steht, obgleich in den Originalplänen nichts dergleichen vermerkt ist.

5.4. Mogeleien sogar noch in den Titeln

Bei Pressac ist die Gewohnheit, einer Lüge die Wahrheit oder der Wahrheit eine Lüge folgen zu lassen, dermaßen verwurzelt, daß sie sich noch in den Titeln mancher Kapitel und selbst im Haupt- und Untertitel seines Werkes nachweisen läßt.

Kapitel VI heißt »Der Mogilew-Vertrag und die ersten Tötungen durch Giftgas in Auschwitz« (S. 38), während das folgende Kapitel den Titel »Der Beginn des Massenmordes an den Juden und die Fleckfieber-Epidemie« trägt (S. 51). Wie wir sehen werden, geht im ersten Fall die Wahrheit der Lüge und im zweiten Fall die Lüge der Wahrheit voraus. Im ersten Fall dient ein tatsächlich abgeschlossener Vertrag (der »Mogilew-Vertrag«) über den Bau von Einäscherungskammern zur Stützung der Lüge von den Exekutionsgaskammern in Auschwitz, im zweiten Fall wird die Lüge von den Exekutionsgaskammern in Auschwitz durch die Realität der verheerenden Typhusepidemien gestützt. Man kann hier hinzufügen, daß Pressac hier auf seine Weise die ohnehin bei allzu vielen Lesern auftretende Verwechslung von Krematoriumsöfen und »Gaskammern« ausnutzt und sich der Tatsache bedient, daß manche nicht zwischen den Leichen von Typhusopfern und solchen von »Vergasten« zu unterscheiden wissen.

Titel und Untertitel des Werks veranschaulichen diese Art der Mogelei: der Titel – Die Krematorien von Auschwitz – ist zutreffend, der Untertitel – Die Technik des Massenmordes – ist lügenhaft. Pressac spielt hier mit gezinkten Karten, indem er auf die weitverbreitete, irrige Assoziation von »Krematorien« mit »Mord« setzt.

5.5. Verwendung von »Gaskammer« (sprich: Exekutionsgaskammer) für »Leichenkeller«

Die am häufigsten praktizierte Mogelei des Verfassers besteht darin, bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Ausdruck »Gaskammer(n)« für »Leichenkeller« zu benutzen. Beispielsweise schreibt er:

»Am 10. März [1943] testeten Schultze und Messing etwa 16 Stunden lang die Be- und Entlüftung der Gaskammer von Krematorium II. Offensichtlich funktionierte die Anlage noch nicht einwandfrei, da Messing dort am 11. weitere elf Stunden und am 13. noch einmal fünfzehn Stunden arbeitete« (227) (S. 94).

Anmerkung 227 bezieht sich auf ein Dokument, dessen Text uns vorenthalten wird; dieses Dokument enthüllt, daß die Arbeit der beiden Männer offenkundig nicht in einer Exekutionsgaskammer, sondern in einem Leichenkeller stattfand, den Pressac willkürlich »Gaskammer« getauft hat. Er hat die Stirn, hinzuzufügen: »Es wurden Versuche nach vorherigem Einwurf von Zyklon B gemacht.« Diesmal verzichtet er auf eine Anmerkung, wahrscheinlich weil die unmittelbar vorausgehende Anmerkung 227 ausreicht, um einer puren Erfindung einen Anstrich von Seriosität zu verleihen.

5.6. Verwendung von »Gaskammer« (sprich: Exekutionsgaskammer) für Entwesungskammer

Eine andere Form der Mogelei besteht darin, Dokumente über die Entwesungskammern zu zitieren und dabei beim Leser den Eindruck zu erwecken, es könne sich nur um Exekutionsgaskammern handeln. Hinsichtlich eines Vorarbeiters schreibt Pressac:

»In seinem täglichen Arbeitsnachweis notierte er: “Gasdichte Fenster versetzen.” Am 2. März schrieb er, nachdem er den Bodenbeton in jenem Teil, wo auch die Fenster eingesetzt worden waren, gegossen hatte: “Fußboden betonieren in Gasskammer [sic]” (233)« (S. 97).

Wie so oft bei Pressac dient die Anmerkung bloß zur Augenwischerei und enthält keinen Originaltext. Der Experte muß beispielsweise im Register der Schlosserei von Auschwitz nachsehen, um zu erkennen, daß es hier lediglich um eine Entlausungskammer geht. Der Pole Jan Sehn, Untersuchungsrichter in der Sache Höß, hatte Auszüge aus diesem Register zusammengestellt. Ganz unfreiwillig zeigt er uns, indem er ein Dokument Nr. 459 vom 28. Mai 1943 wiedergibt, daß diese Art von Gaskammer von den Deutschen in Auschwitz »Entwesungsgaskammer« oder ganz einfach »Gaskammer« genannt wurde. Das betreffende Dokument lautet wie folgt:

»Entwesungskammer K.L. Auschwitz I […]. 1. Die Beschläge zu 1 Tür mit Rahmen, luftdicht mit Spion für Gaskammer.«

1989 berichtete Pressac, auf einmal ganz ehrlich, er habe in einer Entlausungsbaracke in Birkenau die Aufschrift »GASKAMMER« gleich oberhalb der Wörter »Wasch- und Brausebad« entdeckt, und er fügte hinzu: »Die Verknüpfung von Duschen und Gaskammern konnte bei den Gefangenen die Vorstellung erwecken: “Die Duschen sind Gaskammern”« (A.T.O., S. 549).

In seinem 1993 erschienenen Buch tut er nicht nur nichts, um bei seinen Lesern die Verwechslung der beiden Arten von Gaskammern zu verhindern, sondern fördert diese noch auf unlautere Weise, indem er, ohne es ausdrücklich zu sagen, bei ihnen den Eindruck erweckt, die Deutschen hätten, wenn sie den Ausdruck »Gaskammer« benutzten, darunter stets eine Exekutionsgaskammer verstanden.

5.7. Dokumente ohne Zusammenhang mit dem zu beweisenden Faktum

Zu den angeblichen »Verbrennungsgruben« (wir erinnern daran, daß diese physikalisch unmöglich sind, vor allem im Sumpfgebiet von Birkenau) schreibt Pressac:

»Der Ofen von Nr. V [d.h. Krematorium V] war rasch überlastet, und so hob man drei 15 Meter lange und 3,5 Meter breite Gruben neben den Gaskammern aus, um dort die Opfer im Freien einzuäschern (Dok. 57)« (S. 116).

Dok. 57 beweist nichts dergleichen, ja es liefert nicht einmal Anhaltspunkte dafür. Es handelt sich um eine Photographie, die seit nun bald einem halben Jahrhundert durch die Bücher oder Artikel über die Judenausrottung geistert. Diese Photographie muß oft nicht etwa als Beweis für die Existenz der Verbrennungsgruben, sondern für die der Exekutionsgaskammern herhalten. Man kann nicht nachweisen, wo, wann und von wem sie aufgenommen wurde. Sie zeigt Zivilisten inmitten eines Haufens, der aus auf dem Boden zerstreuten nackten Leichen zu bestehen scheint. In der Ferne sieht man hellen Rauch aufsteigen, der nicht von den Leichen, sondern von Reisig zu stammen scheint (wenn die Photographie echt ist, könnte dieser Rauch möglicherweise von einem Feuer stammen, das man zur Bekämpfung des Gestanks und der Insekten entfacht hatte). Jedenfalls ist darauf keine Grube zu erkennen.

5.8. Verwendung fiktiver Referenzen

Eine andere Form der Mogelei besteht bei Pressac darin, von ihm persönlich erfundenen Dingen die Weihe einer überprüften und für wahr befundenen Tatsache zu verleihen. Statt zu schreiben »Ich habe meine Ansicht geändert und meine heute, daß […]« schreibt er: »Man meint heute, daß […]«

1989 schrieb er im Brustton der Gewißheit, die erste Menschenvergasung in Auschwitz habe genau am 3. September 1941 stattgefunden (A.T.O., S. 132).

Vier Jahre später, in seinem neuen Buch, schreibt er stattdessen:

»Heute datiert man die erste Tötung durch Giftgas […] auf den Zeitraum zwischen dem 5. Dezember und Ende Dezember [1941]« (S. 41).

Er begründet diese neue Datierung ebensowenig, wie er früher die alte begründet hat. Er schreibt ungenannten, und in Wirklichkeit nicht existierenden, Leuten eine persönliche Meinungsänderung zu, die einzugestehen ihm peinlich ist. Mit diesem Kniff entzieht er sich auf billige Weise der Aufgabe, uns mitzuteilen, warum er seine Ansicht geändert hat und nun hinsichtlich des Datums bedeutend vager ist. Ich glaube Carlo Mattogno gerne, wenn dieser uns in seinem Aufsatz über Pressacs neues Buch mitteilt, er habe Pressac 1992 dargelegt, daß die erste Vergasung in Auschwitz nicht stattgefunden haben kann, und schon gar nicht am 3. September 1941 (vgl. Carlo Mattogno, Auschwitz: La prima gasazione, Edizioni di Ar, Padua 1992, S. 190 ff.).

Den gleichen Kniff benutzt Pressac, wenn er schreibt:

»Man vermutet heute, daß in diesem Krematorium nur relativ wenige Tötungen durch Giftgas stattfanden, daß jedoch ihre Zahl höher angegeben wurde, weil sie die direkten oder indirekten Zeugen zutiefst beeindruckten« (S. 43).

Hinter diesem »man«, das auf eine Mehrzahl hinzuweisen scheint, verbirgt sich das »ich« einer einzigen Person, die »vermutet«.

1989 schätzte Pressac die Zahl der Menschenvergasungen im Krematorium I auf 10.000 (A.T.O., S. 132). Heute spricht er von »relativ wenigen Vergasungen«, ohne sich auf eine Zahl festzulegen. Auch in diesem Fall hat er also seine Ansicht geändert, ohne uns mitzuteilen weshalb, und flüchtet sich in Unverbindlichkeiten.

Ganz nebenbei gesagt, ist die Erklärung, um nicht zu sagen die Rechtfertigung der Lüge äußerst erhellend: direkte (welche?) oder indirekte (was heißt das?) Zeugen sind so tief beeindruckt worden, daß sie die Zahl der Vergasten »höher angaben«.

Die Wendung »relativ wenige Vergasungen« erinnert an die Ausflucht der stellvertretenden Direktorin des Museums von Majdanek, die, von Pressac über eine Gaskammer im Lager befragt, antwortete, diese Gaskammer sei »sehr wenig, wirklich sehr wenig« benutzt worden, was, wie unser Verfasser mit goldigem Humor hinzufügte, hieß, daß sie »überhaupt nicht benutzt wurde« (Jean-Claude Pressac, Les carences et incohérences du “Rapport Leuchter” –Die Mängel und Inkohärenzen des “Leuchter-Berichts” –, Jour J, La Lettre télégraphique juive, 12. Dezember 1988, S. IX).

5.9. Ein vorsätzlich genährter Gedankenwirrwarr

Unser Autor ist von Natur ein heillos wirrer Geist. Er nutzt die ihm eigene geistige Wirrheit aber bewußt aus, um seine Leser ihrerseits zu verwirren, ihr Urteil durch allerlei unzusammenhängende Darlegungen zu trüben und sie hinters Licht zu führen. Er schreibt absichtlich noch konfuser, als er es normalerweise täte, und gleicht damit dem Esel, der den Esel spielt, weil es ihm nützt. Ganze Seiten, wie etwa jene, welche der »ersten eindeutigen “kriminellen Fehlleistung”« gewidmet ist, müßten eigentlich besonders klar sein, weil darin endlich einmal ein Ereignis von besonderer Wichtigkeit geschildert wird (S. 76), doch nein: sie scheinen ganz bewußt chaotisch geschrieben. Anderswo gestatten einfache Sätze wie »Diese offiziellen Zahlen sind eine interne Propagandalüge, und dennoch sind sie verläßlich« (S. 103) ihrem Autor, sich jeder Verantwortung zu entziehen und sich in Zweideutigkeiten zu flüchten.

Auf Seite 58 finden wir eine konfuse Passage, hinter der wohl nur Absicht stecken kann. Pressac schildert hier den »Trick«, den sich die SS-Leute in Auschwitz ausgedacht haben sollen, damit man in Berlin nicht merkte, daß sie die Typhusseuche nicht unter Kontrolle hatten. Diese SS-Leute beschlossen also, den »unglaublich hohen Verbrauch an Gas« für Entlausung »mit dem Mord an den Juden« zu erklären! Während nach Pressac 97 bis 98% des Zyklons für die Vergasung von Läusen und nur 2 bis 3% für die Vergasung von Juden verwendet wurde (der Apotheker verrät uns nicht, wie er auf diese Zahlen kommt), entschieden die SS-Leute, Berlin »glauben zu machen, daß der größte Teil des gelieferten Zyklon B für die Vergasungen in Bunker 1 und 2 eingesetzt wurde«; wenngleich in Berlin den SS-Verantwortlichen »das Ergebnis der “Behandlung” bekannt war, waren sie nicht mit den Modalitäten vertraut«. Konfuser könnte man sich kaum ausdrücken (a.a.O.).

Die Fortsetzung der Geschichte ist weder klarer noch zusammenhängender. Ein solches Sammelsurium bietet den Vorteil, uns den Gaskammer-Mythos schmackhaft zu machen, ohne daß wir eine kohärente Argumentation vor uns haben, die wir eventuell kritisieren könnten.

5.10. Der Seiltänzer und der Gaukler

Eine andere Form der Konfusionserzeugung, die sich zur Tarnung seiner Betrügereien eignet, besteht darin, daß Pressac, wenn er sich für ein Phänomen eine absurde Erklärung aus den Fingern gesogen hat, diese Absurdität der Dummheit der SS-Leute zuschreibt. Nehmen wir als Beispiel den Ablauf der Vergasungen in den Krematorien IV und V. In Anbetracht der Konstruktion dieser Gebäude sieht sich Pressac genötigt, die Geschichte von einem SS-Mann zu erfinden, welcher außerhalb des Gebäudes mit einer Leiter herumspazierte, besagte Leiter in der Nähe der Zykloneinwurfluken der verschiedenen Gaskammern postierte, mit der einen Hand den Deckel öffnete und mit der anderen die Zyklongranulate einschüttete; der SS-Mann mußte dieses Zirkusstück sechsmal ausführen. 1989 schrieb Pressac in A.T.O. (S. 386), jedesmal sei der SS-Mann dreimal auf die Leiter geklettert, was hieß, daß er achtzehnmal hinauf- und achtzehnmal wieder herabsteigen mußte; insgesamt mußte er also sechsunddreißigmal die Leiter hinauf- und herunterklettern. Pressac hielt diesen Vorgang für »irrational«, »lächerlich« und einer »Zirkusnummer« würdig, doch, fügte er hinzu, »die Lagerbehörden waren der Ansicht, daß ein bißchen körperliche Ertüchtigung den für die Vergasung verantwortlichen Sanitätssoldaten echt gut – “a world of good” – tun würde«. Die »Arbeit (des SS-Manns) glich der eines Seiltänzers«, schreibt er in Die Krematorien von Auschwitz (S. 97). Doch der Seiltänzer ist in Wirklichkeit niemand anders als unser Gaukler in einer seiner Lieblingsnummern.

5.11. Eine geballte Ladung von Betrügereien: Die beiden Schilderungen der Menschenvergasungen

Die Schilderungen der Menschenvergasungen sollten eigentlich das Herzstück des neuen Pressac-Buchs bilden, doch nehmen sie nur einen sehr geringen Teil ein. Auf Seite 41-42 wird kurz auf eine Menschenvergasung im Block 11 und anschließend auf eine im Krematorium I eingegangen, während ein Teil der Seite 95 eine Tötung durch Giftgas im Krematorium II beschreibt. Und damit hat es sich schon!

Um die Anzahl der Betrügereien abzuschätzen, reicht es aus, in beiden Fällen einerseits die schwerwiegenden Behauptungen zu zählen, die durch keine Beweise, Quellenangaben oder Referenzen abgesichert sind, andererseits die Behauptungen, die sich auf Beweise, Quellenangaben oder Referenzen zu stützen scheinen.

Im letzteren Fall wird der Leser feststellen können, daß man ihn jedesmal genasführt hat: man verweist entweder auf anonyme Zeugenaussagen, oder auf Zeugen, von denen Pressac anderenorts zugibt, daß man ihnen mit Vorsicht begegnen muß, oder auf Zeugen, deren Namen uns verschwiegen werden (in diesem Fall wird das Kalendarium als Quelle zitiert), oder schließlich auf Dokumente, welche nur »die kleine Wahrheit« beweisen und mit der »großen Lüge« in keinem Zusammenhang stehen. Dies kann man einerseits in den Anmerkungen 106 bis 109 feststellen, andererseits in den Anmerkungen 228 bis 230 sowie in den Referenzen, die den Dokumenten (sic) 30 bis 35 beigesellt sind.

Führen wir als Beispiel ein Dokument und eine Anmerkung an.

Das »Dokument« 30 besteht aus nichts anderem als der Ablichtung einer Zyklon B-Büchse! Anmerkung 228 verweist lediglich auf »Kalendarium… […], S. 440«.

Konsultiert man nun das genannte Werk auf der genannten Seite, so entdeckt man, daß Pressac diesem Opus, das er in seiner Anmerkung 107 heftig kritisiert hat, die Fiktion von den 1.492 (aus Krakau stammenden) vergasten Juden entnommen hat. Die Herausgeberin des Kalendariums, Danuta Czech, hat die Geschichte von dem unvermeidlichen Henryk Tauber, der aber, wie sie hervorhebt, nach eigenem Eingeständnis nichts gesehen hat, weil das Sonderkommando, dem er angehörte, zum Zeitpunkt der Vergasung von den Deutschen… im Dissektionssaal des Krematoriums II eingesperrt worden war!

5.12. Eine Sturzflut von Betrügereien

Verweilen wir doch noch ein wenig bei der Geschichte von der Vergasung jener 1.492 Juden im Krematorium II.

Ganz abgesehen von den bereits aufgezählen Betrügereien ist noch darauf hinzuweisen, daß Pressac in diesem Fall alle ihm genierlichen materiellen Gegebenheiten ignoriert. Die SS-Leute konnten das Zyklon B aus dem einfachen Grund nicht durch vier in der Decke angebrachte Öffnungen einwerfen, weil diese Öffnungen – wie man noch heute nachprüfen kann – schlicht und einfach nicht existiert haben.

Außerdem weiß Pressac – der die bereits 1980 von mir veröffentlichten Dokumente, insbesondere die Nürnberger Dokumente NI-9098 und NI-9912[25] über Zyklon B und dessen Verwendung, gelesen hat – sehr wohl, daß die Mitglieder des Sonderkommandos nie und nimmer »nach fünfzehn oder zwanzig Minuten« in die Gaskammer hätten eindringen können, um in einem 210 m2 (30 x 7 m)[26] großen Raum die titanische Aufgabe zu lösen, die darin bestanden hätte, den Opfern die Haare zu schneiden, die Goldzähne zu ziehen, die Ringe und Schmuckstücke abzunehmen, 1.492 Leichen zu einem kleinen Aufzug zu schleifen und die Leichen »in zwei Tagen« zu verbrennen (S. 95). Er weiß, daß Zyanwasserstoffgas, der Hauptbestandteil des Zyklon B, hartnäckig an Oberflächen haftet, daß die Lüftung langwierig und schwierig ist (für ein oberirdisches, mit Fenstern versehenes Zimmer braucht man fast einen Tag Lüftungszeit), daß es sich in den Haaren, auf der Haut und an den Schleimhäuten festsetzt und den Körper so sehr durchdringt, daß das Hantieren an zyklonvergifteten Leichen gefährlich ist (die Vergiftung kann über die Haut erfolgen). Unter gar keinen Umständen hätte das Sonderkommando in einen Ozean von Zyanwasserstoffgas eindringen können, um mit Ach und Krach 1.492 zyklonvergiftete Leichen herauszuziehen. Selbst mit einer Gasmaske mit Spezialfilter (Filter J) ist jegliche körperliche Anstrengung untersagt, weil sie die Atmung beschleunigt, und bei einer solchen Anstrengung der Filter das Gas durchsickern ließe. Pressac kann seine Ventilatoren noch so fleißig rotieren lassen – kein Ventilator hätte in wenigen Minuten die am Fußboden, der Decke, den Wänden und der Türe haftenden, die Leichen durchtränkenden oder in Gasrückständen zwischen den aufgehäuften Leichen verbleibenden Giftmoleküle vertreiben können. Ich verweise hierzu auf die in den US-Gaskammern zur Exekution eines einzigen Todeskandidaten mit Zyanwasserstoffgas verwendete Technik (S. Thion, Vérité historique ou vérité politique?, La Vieille Taupe, Paris, 1980, S. 301-309; dt.: Historische Wahrheit oder Politische Wahrheit?, Verlag der Freunde, Pf 217, D-10182 Berlin 1994).

Was nun die binnen zwei Tagen durchzuführende Einäscherung von 1.492 Leichen in 15 koksbeheizten, wahrscheinlich nur 12 von 24 Stunden arbeitenden Öfen anbelangt, so weiß Pressac, daß sie unmöglich ist, weil sie annähernd 50 Einäscherungen pro Tag und Ofen bedingen würde (heutzutage bewältigt ein gasbetriebener und folglich viel wirksamerer Krematoriumsofen in einem Achtstundentag drei bis fünf Kremierungen).

Und wo hätte man die 1.492 Leichen der VERGASTEN vor ihrer Einäscherung deponieren können? Der Autor, dem diese Frage so oft gestellt worden ist, weiß, daß es darauf keine Antwort gibt.

Doch drängt sich hier noch eine andere Frage auf:

Nach Pressac sollen die vier Krematorien in Menschenschlachthäuser umgewandelt worden sein. So seien in den Krematorien II und III die beiden zur Aufnahme und Aufbahrung der jeden Tag Verstorbenen vorgesehenen Räume klammheimlich zweckentfremdet worden, der erste als Entkleidungsraum, wo sich die Juden ausziehen mußten (Leichenkeller 2), der zweite als Gaskammer, wo dieselben Juden vergast worden seien (Leichenkeller 1). In diesem Fall sieht man absolut nicht, wo die Deutschen denn die Leichen der täglich durchschnittlich hundert Menschen aufbahrten, die hauptsächlich an Seuchen starben – an jenen Seuchen eben, die den Anstoß zur Planung und zum Bau der Krematorien gegeben hatten;[27] was für die Krematorien II und III gilt, traf mutatis mutandis auch für die Krematorien IV und V zu.[28]

Das Problem stellt sich also folgendermaßen:

WENN DIE ALS KREMATORIEN BEZEICHNETEN GEBÄUDE TATSÄCHLICH NICHTS ANDERES ALS SCHLACHTHÄUSER FÜR DIE AUFNAHME, ERMORDUNG UND EINÄSCHERUNG DER JUDEN WAREN, WO KONNTE MAN DANN IN B IRKENAU DIE L EICHEN DER TAGTÄGLICH GESTORBENEN HÄFTLINGE – INSBESONDERE DIE OPFER DER VERHEERENDEN SEUCHEN – AUFBAHREN UND EINÄSCHERN?

Anders ausgedrückt: WO WAREN DIE WIRKLICHEN KREMATORIEN VON AUSCHWITZ?

Pressac beugt sich sehr ungern unter das Joch der Tatsachen. Was, zumindest im Prinzip, jeder Historiker tun müßte, nämlich Phantasie und Lügen zu verwerfen, ist ihm zuwider. Weitaus mehr liegt ihm die Fiktion, insbesondere die romanhafte.

 

6. Die Abschweifungen des Romanciers

Wenn man eine historische Studie unternimmt, hält man sich normalerweise nicht lange bei der Frage des Stils auf. Ein Historiker, dem die Leichtigkeit des Ausdrucks abgeht, kann bedeutender sein als einer, der für seine elegante Feder bekannt ist. Doch Pressac fällt aus dem Rahmen. Seine Konzeption der Erzählung, sein Wortschatz, seine Wendungen sind durch ihre Schlampigkeit, ihre Vulgarität, ihre Klobigkeit einzigartig. Wenn ich mich täusche, so möge man mir ein einziges Werk der Geschichtsschreibung – oder auch der erzählenden Literatur – nennen, wo man eine derartige Armut des Ausdrucks und so viele Gemeinplätze, Tolpatschigkeiten und Einfältigkeiten vorfindet wie in den nun folgenden Ausschnitten. Pressac schreibt hölzern und flach, besonders wenn er sich bemüht, sich eines gehobenen, blumigen oder farbigen Stils zu befleißigen.

Hier nun einige Muster für die uns versprochene »genaue Geschichte der Vernichtungsmaschinerie« (S. 1); ich enthalte mich jeglichen Kommentars. Ich rate dem Leser ganz einfach, sich in jedem Fall die einfache Frage zu stellen: Wo zum Teufel hat Pressac, der sich anheischig macht, uns eine »genaue Geschichte« zu präsentieren, den Beweis für all das gefunden, was er uns da erzählt?

[N.B.: Die beiden deutschen Übersetzerinnen des Pressac-Buches haben die Vulgarität der im französischen Originaltext stehenden Ausdrücke erheblich abgemildert].

»Prüfer telefonierte mit Naumann. Doch die beiden konnten sich nicht einigen, und der SS-Mann hängte ein« (S. 28).

»Naumann war offensichtlich kein “normaler” SS-Mann, denn ein richtiger SS-Mann entschuldigte sich nie, wie auch immer er sich benommen haben mochte« (a.a.O.).

»Dieser Auftrag bereitete dem Ingenieur größte Freude […]. Sein Kollege Schultze hingegen war alles andere als erfreut« (S. 30).

»Oft kommt eine gute Nachricht nicht allein« (a.a.O.).

»Ebenfalls am 24. fragte Naumann höflichst an […] « (a.a.O.).

»Doch jetzt beging Prüfer, der sein Glück erzwingen wollte, einen entscheidenden Fehler […] Er […] intrigierte so geschickt…« (a.a.O.).

»Ein gewisser Heider, SS-Oberscharführer aus Berlin […]« (a.a.O.).

»Ab jetzt wurde […] ein unterschwelliger Kampf gegen die Topf geführt, um den aufgezwungenen Geschäftsabschluß zu hintertreiben« (a.a.O).

»[…] dank einer klugen verwaltungstechnischen Verzögerung […] sowie durch die Hilfe eines unvorhergesehenen Brandes (wahrscheinlich verursacht durch einen Bombenangriff der Alliierten […]« (a.a.O.).

» […] wurde ihnen kurz und bündig mitgeteilt […]« (a.a.O.).

»Und da Ludwig Topf keine guten Beziehungen zur Parteispitze hatte […]. Die Belegschaft der Firma fühlte mit ihm, denn Ludwig war ein liebenswürdiger Mensch, der seine Grenzen kannte. Ganz im Gegensatz zu seinem verheirateten jüngeren Bruder, der aggressiv, eitel und besonders streng war« (S. 36).

»Das war natürlich eine glatte Lüge […]« (S. 37).

»Doch die Tatsache, daß er ihnen zu Dank verpflichtet war, brachte Ludwig in eine Zwangslage und wurde für ihn zu einer tödlichen Falle, wie die kommenden Ereignisse zeigen werden (Ende des Kapitels)« (a.a.O.).

»Mehr schrieb Prüfer nicht in dem – wahrscheinlich einzigen – privaten Brief an Bischoff. Doch in Wirklichkeit hatte man Prüfer soeben eine unglaubliche Anfrage unterbreitet, die ihn zu den schönsten wirtschaftlichen Hoffnungen berechtigte […] « (S. 38).

»Doch Prüfer machte auch diesmal wieder den gleichen Fehler […] – er kannte seine Grenzen nicht […] Prüfer tobte, doch vergeblich, denn er hielt es für sinnlos, sich mit Kammler […] anzulegen« (S. 45-46).

»Jetzt griffen die SS-Leute der Politischen Abteilung ein; sie fürchteten um ihr “wertvolles” Leben […]« (S. 49).

»Himmler hatte die scheußliche und verbrecherische Arbeit einfach auf Höß abgewälzt, der – wenngleich ein abgebrühter Kerkermeister – diese zweifelhafte “Ehre”, die ihm da zuteil wurde, in keiner Weise schätzte« (S. 56).

»Mit den von den Juden “zurückgeholten” Summen finanzierte der Reichsführer SS seine wilde Leidenschaft für seine Divisionen der Waffen-SS« (a.a.O.).

»Aufgrund dieses unerwarteten Geldsegens und weil Himmler der Ansicht war, daß das Auskleiden der Juden im Freien unordentlich wirkte […]« (a.a.O.).

»Und so verfiel man auf folgenden Trick: der unglaublich hohe Verbrauch an Gas wurde mit dem Mord an den Juden erklärt« (S. 58).

»Doch unter dem Druck der Fleckfieber-Epidemie, die täglich 250 bis 300 Todesopfer forderte – und zwar sowohl unter den Häftlingen als auch unter der Zivilbevölkerung und den SS-Leuten, die sie ins Jenseits begleiteten […]« (S. 62).

»Darüber hinaus hatte er im Gespräch mit SS-Leuten gehört – wenngleich er es nicht hätte erfahren dürfen -, was im Sperrgebiet von Birkenwald vor sich ging« (S. 65).

»Eigentlich hatte Prüfer Pech gehabt, denn Ertl wurde von Bischoff nach dessen Rückkehr aus Berlin heftig getadelt […]« (S. 67).

»Ein solches Projekt war zwar Irrsinn, ebenso wie Prüfers Krematorium, doch diese beiden hervorragenden Ingenieure der Topf waren sich dessen nicht bewußt, daß sie die Grenze zwischen Normalität und Anormalität überschritten. So wurden sie in der Folge zu Mittätern bei der verbrecherischen Massenvernichtung« (S. 69).

»Die drei SS-Leute waren zum Mittagessen in Auschwitz zurück. Wir wissen nicht, ob sie es herunterbrachten« (S. 58 der französischen Ausgabe; in der deutschen Ausgabe weggelassen).

»Während der zwei Monate, in denen in der Sperrzone die Massengräber geleert wurden, riß im tiefsten Birkenwald die Hölle Tag und Nacht ihren rotglühenden Schlund auf« (S. 73).

»Am Morgen des 23. September 1942 stattete der […] SS-Obergruppenführer Pohl Auschwitz einen überraschenden Besuch ab, um herauszufinden, was hier eigentlich vor sich ging und was mit den bewilligten Tonnen von Zyklon B geschah […]. Als er sich genauer nach dem Verbleib des Zyklon B erkundigte, bekam er zur Antwort, daß man damit zugleich Läuse und Juden vernichtete. Pohl, der leicht zu beeindrucken und recht empfindsam war, fragte nicht weiter […]. Gleich nach seiner Rückkehr beauftragte er den SS-Reichsarzt Ernst Grawitz, sich um die Bekämpfung der Fleckfieber-Epidemie zu kümmern, deren Ausmaß ihm nicht entgangen war. Grawitz, ein dummer, eingebildeter und aggressiver Mann, kam am 25. in Auschwitz an, wo seine unqualifizierten Ratschläge die sanitären Verhältnisse im Lager nur noch verschlimmerten« (S. 74).

»Die Rückkehr von Holik und Koch nach Erfurt gab zu Gerüchten innerhalb der Firma Anlaß. Da sie zu Prüfers Abteilung gehörten, erstatteten sie ihm Bericht und sprachen auch von dem Flammenmeer im Birkenwald. Wenn der Ingenieur auch vom Hörensagen wußte, was dort vorging, so war er doch noch nie mit den Auswirkungen konfrontiert worden. Betreten muß er ihnen angesichts dieser Erzählungen geraten haben, Stillschweigen darüber zu wahren und nach Hause zu gehen, um Weihnachten zu feiern. Holik, der schon in Buchenwald gewesen war und die Stimmung in den Konzentrationslagern als hart und unerbittlich empfand, konnte sich nicht vorstellen, daß Hitlers Schmähreden gegen die Juden auf derart schreckliche Weise, wie Koch und er es miterlebt hatten, umgesetzt werden könnten. In einem Brief der Topf von Anfang März 1943 klingt an, daß die beiden Männer geredet hatten. Entweder in der Fabrik, nachdem sie von den Gebrüdern Topf über ihren Aufenthalt in Auschwitz befragt worden waren, oder zu Hause ihren Familienmitgliedern und Freunden gegenüber, die umgehend das Gehörte den Firmenleitern “anvertrauten”. Sobald die Geschichte durchsickerte, muß Prüfer zu den Topf-Brüdern bestellt und um eine Erklärung gebeten worden sein. Diese Unterredung fand Anfang Januar 1943 statt. Es war für Prüfer ein leichtes, sich höflich bei Ludwig Topf zu erkundigen, ob das Weihnachtsfest in Gesellschaft des reizenden Fräulein Ursula Albrecht ebenso angenehm gewesen sei wie im Vorjahr, und hinzuzufügen, das Fräulein müsse doch sicherlich sehr erleichtert und glücklich sein, daß der Herr Direktor nun kein Soldat mehr sei. Auch Ernst-Wolfgang Topf, der die ersten Abschlüsse mit Auschwitz gebilligt hatte und stolz die Verträge über den Verkauf von zehn Dreimuffelöfen für die Krematorien II und III unterschrieben hatte, konnte er leicht davon überzeugen, daß die Konkurrenz, Heinrich Kori oder die Didier-Werke in Berlin, das Geschäft gemacht hätten, wenn ihnen die Abteilung “Krematoriumsbau” der Topf nicht zuvorgekommen wäre. Außerdem hatten die Topf-Öfen nicht zu den Abscheulichkeiten im Birkenwald beigetragen; sie dienten rein sanitären Zwecken, nämlich der Vernichtung krankheitserregender Keime mittels Feuer. Ernst-Wolfgang Töpfer nahm die ausweichenden Erklärungen Prüfers hin, und auch Ludwig Topf widersprach ihm nicht. Er war ausgeschaltet, da er nach seiner Rückkehr aus der Armee die Kostenvoranschläge für die Lüftung des Krematoriums III unterschrieben und sich durch die neun Monate später geleistete Unterschrift der Kostenvoranschläge für die Entlüftung der Krematorien IV und V – die eindeutig verbrecherischen Zwecken diente – vollständig in die Sache verstrickt hatte« (S. 81-83).

»Mit vorgetäuschter Bekümmerung stellte er [Prüfer] fest, daß die Garantie für die Ofen des Krematoriums IV abgelaufen war […]« (S. 101).

»Die Topf wies den Einsturz des Gewölbes heftig zurück […]« (S. 104).

»Die Topf wehrte sich gegen diesen Vorwurf und beschuldigte ihrerseits Köhler, ungeeignete Materialien verwendet zu haben, was dieser heftig abstritt« (S. 104).

»[Anläßlich eines Himmler-Besuchs] . Der Wagenkonvoi überquerte die Brücke, die sich über die Bahngeleise spannte, und hielt am Güterbahnhof an, um die neuen Kartoffellagerhallen zu besichtigen, vor denen sich die Selektionsrampe für die Juden entlangzog (Dokument 49). Dann ging es im Eiltempo zurück nach Birkenau. “Es wurden dann der Bauabschnitt I und II des KGL sowie die Krematorien und Truppenunterkünfte eingehend besichtigt. Besondere Anerkennung fand dabei der saubere Innenbau der Häftlingsunterkünfte im neubelegten Bauabschnitt II”, so heißt es in dem Absatz des Berichts, der sich auf Birkenau bezieht. Die SS-Leute fuhren kurz an der Wasseraufbereitungsanlage (Dokument 50) und den beiden im Bau befindlichen Kartoffellagern des KGL vorbei und dann schnellstens weiter nach Harmense, wo die Entenaufzucht und Hühnerstallungen und, in der Nähe des neuen Weichsel-Staudamms, Fischfanggründe lagen. Ein kleiner Verkehrsunfall konnte den schnellen Ablauf der Inspektion nicht bremsen. Schließlich erreichten sie das neue Frauenlager Budy mit seinen Schweinestallungen (Dokument 51), den Reitställen und der Baumschule. Dann wurde die rasende Fahrt über die Reichsstraße fortgesetzt, die nach Raisko führte, wo das Institut für Hygiene der Waffen-SS und die Landwirtschaftliche Versuchsstation mit ihren Nebengebäuden (Dokument 52) genauestens begutachtet wurden. Man besichtigte im Laufschritt die Gemüsetreibhäuser […]« (S. 109).

»[…] was zu lautstarken Enttäuschungsbekundungen führte, die kaum die feige, allgemeine Erleichterung zu verbergen vermochten« (S. 110).

»[…] wo üppig geschlemmt wurde« (a.a.O.).

»[Titel des Kapitels XI:] Grauen, Bürokratismus und Spurenvernichtung« (S. 112).

»Der Hauptamts-Chef war großzügig, zu großzügig« (S. 117).

»Abgesehen von den üblichen Problemen […] erschütterten die Zigeunerkinder, die an der Kinderseuche Noma litten und ihn trotz krebsartiger Geschwülste und übelriechendem Wundbrand aus ihren fiebrigen Augen anlächelten, Pohl zutiefst. Die glänzenden Blicke dieser kleinen zerzausten Vögelchen, die unbeweglich vor den Toren der grünlichen Pferdestall-Baracken standen, über ihnen am tiefblauen Himmel zur Linken zwei wuchtige Schornsteine, aus denen die Flammen schlugen, und zur Rechten eine dicke, weißliche Wolke, die aus dem Birkenwald aufstieg – angesichts dieses Bildes muß Pohl begriffen haben, daß seine Verwaltung alle Gesetze der Ethik verletzt hatte und deshalb für immer gezeichnet sein würde. Er erinnerte sich wieder an Montag, den 22. Mai 1933, jenen Tag, an dem er Himmler in den Gärten des Kasinos von Kiel begegnet war, und er verfluchte jenen Tag. Doch es sollte noch schlimmer kommen« (S. 118).

In seiner Jugend war Pressac lebhaft von einem Roman von Robert Merle (La Mort est mon métierDer Tod ist mein Handwerk – 1952) beeindruckt worden, dem die Geschichte von Rudolf Höß, einem der drei aufeinanderfolgenden Kommandanten des Lagers Auschwitz, zugrunde liegt (A.T.O., S. 539). Er hatte davon geträumt, seinerseits einen Roman zu verfassen, in dem er »die Welt nach einem deutschen Sieg 1945 oder 1946 beschrieben« hätte (A.T.O., S. 541), einen Roman, in dem die Ausrottung der Juden in Auschwitz beschworen worden wäre. Les Crématoires d’Auschwitz. La Machinerie du meurtre de masse ist gewissermaßen der Roman, von dem er geträumt hat.

 

7. Schlußfolgerungen

Pressac wähnte, einen Mittelweg zwischen der exterministischen und der revisionistischen These gefunden zu haben. Seine eigene These ist, wie wir gesehen haben, wirr und verschroben: ein ganz und gar subalternes Personal von zivilen sowie militärischen Ingenieuren und Technikern soll auf heimtückische Weise harmlose Leichenkeller in Exekutionsgaskammern verwandelt haben, deren Technik und Funktionsweise uns der Autor übrigens nicht wissenschaftlich erklären kann.

Das von Pressac gewählte Vorgehen besteht grundsätzlich darin, die materiellen Realitäten zu ignorieren: Die Struktur der Räumlichkeiten, die man noch heute in Auschwitz und Birkenau besichtigen kann und »Gaskammern« zu taufen wagt; die Gefahren des Umgangs mit Zyklon B; die enormen Schwierigkeiten der Entsorgung des Gases; das Fehlen jeglichen Raumes zur Aufnahme und Lagerung der Leichen der Vergasten vor der Kremierung; das vollkommene Fehlen von Räumlichkeiten zur Aufnahme, Aufbahrung und Einäscherung der tagtäglich Gestorbenen (die zu diesem Zweck vorgesehenen Krematorien sollen ja in chemische Schlachthäuser zur Aufnahme, Vergasung und Verbrennung der Juden umgewandelt worden sein!); die Unmöglichkeit der Einäscherung so vieler Leichen in den Krematorien. Seine Methode besteht auch im Mogeln und Betrügen, besonders beim Umgang mit den Dokumenten wie auch den Quellen und Referenzen.

Das Ergebnis seiner Arbeit ist jämmerlich. Die einzige Information von einigem Interesse, die man seinem Werk entnehmen kann, besteht darin, daß laut Pressac die Zahl der (jüdischen) Vergasten in Auschwitz und Birkenau bei 630.000 und die Zahl der Gesamtopfer (von 1940 bis 1945) bei 775.000 oder aufgerundet 800.000 gelegen haben soll.[29] Und diese Information ist bar jeden wissenschaftlichen Wertes, weil sie sich durch nichts untermauern läßt. Sie zeugt lediglich von der Notwendigkeit, die üblichen Schätzungen zu verringern, und man darf davon ausgehen, daß ihr vergleichbare Revisionen nach unten in mehr oder weniger naher Zukunft folgen werden.[30]

Von den 80.000 Dokumenten, die in den Moskauer Archiven untersucht worden sind oder zumindest untersucht werden können, hat Pressac eigentlich nur eines berücksichtigt: einen unbedeutenden Geschäftsbrief über Gasprüfer. Ich habe Grund zur Annahme, daß er für die revisionistische These sprechende Dokumente verschwiegen hat; insbesondere vermute ich, daß er detaillierte Pläne der Leichenkeller der Krematorien II und III sowie detaillierte Pläne der in den Krematorien IV und V befindlichen Räume entdeckt hat, die er »Gaskammern« – sprich: Exekutionsgaskammern – getauft hat. Die Deutschen begnügten sich nicht mit einfachen, schematischen Plänen; davon zeugen die äußerst genauen und detaillierten Pläne des Leichenkellers von Sachsenhausen, die ich 1986 persönlich entdeckt hatte (vgl. R.H.R. Nr. 3, S. 106-107).

In Auschwitz, so erzählt man uns, sollen die Deutschen ein Verbrechen von gigantischem Umfang begangen haben. Eine Expertise der angeblich zu dieser Schandtat verwendeten Waffe ist da unabdingbar. Man unterzieht heute mehrere tausend Jahre alte Ruinen einer Untersuchung. Warum sollte man nicht sofort auch ein Gutachten über Gebäude oder Ruinen erstellen, die nur ein halbes Jahrhundert alt sind? Wenn das Krematorium I wirklich »teilweise rekonstruiert« ist, wie man uns erzählt, so steht doch wirklich nichts einer Untersuchung entgegen, und sei es auch nur, um ausfindig zu machen, welches die ursprünglichen und welches die rekonstruierten Teile sind![31] Was die angebliche »Gaskammer« des Krematorium II betrifft, so ist diese unter dem eingestürzten Dach fast vollständig erhalten – eine Fundgrube für die Experten. Warum sollte man, statt, wie nach dem Krieg geschehen, Haare, Metallgegenstände und Mörtel zu untersuchen (Kriminologisches Institut Krakau, 12. Juli 1945, von J. Robel unterzeichneter Rapport), keine Expertise über diesen Raum verlangen?

Mit der Veröffentlichung von Les Crématoires d’Auschwitz haben sich die Verantwortlichen des CNRS selbst den Rückzug verbaut. Die Einleitung zum Werk wirbt für eine »historische Rekonstruktion, die ohne mündliche oder schriftliche Augenzeugenberichte auskommt, die letztlich doch fehlbar sind und mit der Zeit immer ungenauer werden«. Die Stunde ist gekommen, um mit dieser Forderung Ernst zu machen. Wenn diese Autoritäten glauben, alle Gutachten von Spezialisten und unabhängigen Labors ablehnen zu müssen, die seit 1988 die revisionistische These erhärtet haben, und wenn sie außerdem – von ihnen verschwiegene – Gründe dafür haben, die Ergebnisse des 1990 im Auftrag des Auschwitz-Museums vom Kriminologischen Institut Krakau erstellten Gegengutachtens geheimzuhalten, dann mögen sie doch bitteschön ein eigenes Gutachten erstellen oder eine internationale Expertenkommission damit beauftragen.

Das vermeintlich größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte verlangt gebieterisch nach einer öffentlichen Expertise. Die Richter von Nürnberg haben seelenruhig auf eine solche verzichtet, und gar viele andere Richter sind ihrem Beispiel gefolgt, insbesondere jene des Frankfurter »Auschwitz-Prozesses« (20. Dezember 1963 – 20. August 1965); die deutschen Justizbeamten haben bei zwei Besuchen in Auschwitz noch nicht einmal die Tatwaffe inspiziert. Dieser Mangel an Neugierde hatte natürlich seine guten Gründe, wie auch das gegen den Revisionisten Paul Rassinier verhängte Verbot, dem Prozeß beizuwohnen.

Gewiß: Man erkennt leicht, daß die Legende, die sich um den Namen Auschwitz gebildet hat, durch eine solche Expertise in Gefahr geriete, aber zweifellos würden Wissenschaft, Geschichte und Gerechtigkeit dabei gewinnen.

Hier wie anderswo haben die Revisionisten den Weg gewiesen: es reicht, es ihnen gleichzutun und sich an die Arbeit zu machen. Ernsthaft.

Dezember 1993

 

8. Anhang:

Das Dokument NI-9912

Das Dokument NI-9912 widerlegt ausnahmslos alle angeblichen »Augenzeugenberichte« über den Einsatz von Zyklon B zur Tötung von Menschen.[32] Man wird feststellen, daß Dokument NI-9912 sechsmal die Verwendung eines Geräts zum Nachweis von Zyanwasserstoffresten erwähnt (siehe die Ausdrücke » Gasrestnachweisgerät« oder »Gasrestnachweis «).[33] Ohne dieses Gerät waren Entwesungsaktionen mit Zyklon B ein Ding der Unmöglichkeit. Man begreift demnach nicht, wie Pressac die Stirn haben konnte, die Erwähnung einer Bestellung solcher Geräte, die laufend für Entwesungsaktionen Verwendung fanden, in einem ganz gewöhnlichen Geschäftsbrief als Beweis für die Existenz von Exekutionsgaskammern (!) darzustellen. Die Zentral-Bauleitung von Auschwitz hatte Anfang 1943 Schwierigkeiten mit der Beschaffung solcher Geräte bei der angeschriebenen Lieferfirma. Zu jener Zeit verfuhr man mit der Zuteilung aller Produkte immer strenger. Es ist also nichts Abnormales dabei, wenn sich die Bauleitung an die Firma Topf & Söhne wandte. Sogar in Zeiten des Friedens und des Wohlstands kann es vorkommen, daß eine Firma bei Dritten ein Produkt anfordert, das sie bei der Herstellerfirma nicht bekommen kann. Dies gilt um so mehr für Zeiten des Krieges und der Rationierung. Übrigens erwähnt Pressac in seinem eigenen Buch Bestellungen bei Dritten (auf S. 51 geht es um Bitumen, und auf S. 89 wird geschildert, wie die Zentral-Bauleitung sich an dieselbe Firma Topf & Söhne wandte, um sie um die Beschaffung von… Aufzügen zu bitten!).

Dokument NI-9912 entstammt den Archiven des Nürnberger Prozesses. Es wurde zu einem recht späten Zeitpunkt von den Amerikanern registriert, nämlich am 21. August 1947, unter dem Aktenzeichen NI (Nuremberg Industrialists). Es kommt ursprünglich aus den Archiven der Degesch[34] und ist in vier Rubriken verzeichnet, darunter der Rubrik »Greueltaten« (sic).

Das Original besaß die Form von vier großen, an Wänden anzuheftenden Seiten. Es handelt sich um einen Anschlagstext, der sicherlich in einer sehr großen Zahl von Exemplaren verteilt wurde – im vorliegenden Fall mitten während des Krieges von der Gesundheitsanstalt des Protektorats Böhmen und Mähren in Prag. Der Inhalt zeigt, daß es sich um Richtlinien für die Anwendung von Blausäure (Zyklon) zur Ungeziefervertilgung in Gebäuden handelte, die ziviler wie auch militärischer Art sein konnten (Wohnungen, Kasernen, usw.). Dieses Dokument ruft uns zum rechten Zeitpunkt eine durch die Erfahrung erhärtete Wahrheit in Erinnerung: von allen tödlichen Waffen wird Gas zweifellos noch lange die am wenigsten leicht zu handhabende bleiben; wenn es tötet, tötet es so gründlich, daß es ohne weiters auch für den verderblich sein kann, der es einsetzt.

So einfach es ist, sich mit Blausäure umzubringen, so schwierig ist es, seinen Mitmenschen damit umzubringen, ohne selbst größte Gefahr zu laufen.

Das vorliegende Dokument beschreibt die Eigenschaften des Zyklon, seine Explosionsgefahr, seine Toxizität. Nur wer ein nach einem speziellen Schulungskurs ausgehändigtes Zertifikat besitzt, darf dieses Produkt benutzen. Ein Begasungsprogramm und dessen Vorbereitung erfordern Maßnahmen und Arbeiten, die mehrere Stunden, wenn nicht gar Tage in Anspruch nehmen. Dann kommt die Operation selbst. Neben zahlreichen anderen Einzelheiten wird man bemerken, daß die Zyklongranulate nicht einfach aufgehäuft oder wahllos verstreut werden. Damit das Präparat den gewünschten Effekt hat, muß es in einer dünnen Schicht auf einer Papierunterlage ausgebreitet werden; kein einziges Granulat darf unbeachtet in eine Ecke zu liegen kommen, und alles muß zum gegebenen Zeitpunkt wieder eingesammelt werden. Es braucht 6 bis 32 Stunden, bis das Ungeziefer tot ist (im Schnitt 21 Stunden). Dann folgt der kritischste Moment: derjenige der Lüftung. Der Text besagt: »Die Lüftung bietet die größte Gefahr für Beteiligte und Unbeteiligte. Sie ist deshalb besonders vorsichtig und stets mit angelegter Gasmaske auszuführen.« Diese Lüftung muß »wenigstens 20 Stunden« dauern. Während der ganzen Zeit, und sogar noch anschließend, müssen Wachen nahe beim Gebäude aufgestellt bleiben. Um sicherzustellen, daß kein Gas mehr vorhanden ist, dringen die Spezialisten, stets mit aufgesetzter Gasmaske, mit einem Papierstreifen zum Nachweis von Gasresten in die Räumlichkeiten ein. Zwanzig Stunden zuvor hatte das simple Öffnen von Türen und Fenstern sowie sonstiger verschlossener oder verstopfter Öffnungen (diese Anstrengung ist nichts im Vergleich zum Abschleppen Tausender von Leichen!) eine gewisse Gefahr dargestellt, denn nach der Lüftung eines jeden Stockwerks mußten die Entwesungsspezialisten ins Freie zurückkehren und dort ihre Gasmasken abnehmen, um während wenigstens zehn Minuten frische Luft zu atmen. All dies trägt der Gefährlichkeit des Gases Rechnung, und ich überlasse es dem Leser, auf jeder Zeile dieses Dokumentes zu entdecken, wie sehr im Vergleich dazu die Erzählungen der »Vergasungszeugen« den Gesetzen der Physik und der Chemie Hohn sprechen.[35]  

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Dokument “NI-9912”
Richtlinien für die Anwendung von Blausäure (Zyklon)
zur Ungeziefervertilgung (Entwesung)
 


I. Eigenschaften der Blausäure:

Blausäure ist ein Gas, das sich durch Verdunsten entwickelt.

Siedepunkt: 26°C. Flüssigkeit: wasserhell, farblos. Gefrierpunkt: -15°C. Geruch: eigenartig, widerlich süßlich. Spez. Gewicht: 0,69. Außerordentlich großes Dampfdichte: 0,97 (Luft = 1,0). Durchdringungsvermögen. Flüssigkeit ist leicht verdampfbar. Blausäure ist im Wasser löslich.

Explosionsgefahr:

75 g Blausäure auf 1 cbm Luft. (Normale Anwendung ca. 8 – 10 g pro cbm., daher nicht explosiv). Blausäure darf nicht mit offenem Feuer, glühenden Drähten usw. zusammengebracht werden. Sie verbrennt dann langsam und verliert vollkommen ihre Wirkung. (Es entsteht Kohlensäure, Wasser und Stickstoff.)

Giftigkeit für Warmblüter:

Blausäure hat fast keine Warnwirkung, daher ist sie hochgiftig und hochgefährlich . Blausäure gehört zu den stärksten Giften. 1 mg pro kg – Körpergewicht genügt, um einen Menschen zu töten. Kinder und Frauen sind im allgemeinen empfindlicher als Männer. Ganz geringe Mengen von Blausäure schaden dem Menschen nicht, auch bei stetiger Atmung. Vögel und Fische sind besonders empfindlich gegen Blausäure.

Giftigkeit für Insekten:

Die Wirkung der Blausäure auf Insekten hängt nicht so sehr von der Temperatur ab, wie die Wirkung anderer Gase: d.h. sie wirkt auch bei kalten Temperaturen (auch noch bei -5°C). Bei vielen Tieren, besonders bei Wanzen und Läusen, sind die Eier empfindlicher als die Imagines.

Giftigkeit gegen Pflanzen:

Der Grad der Giftwirkung hängt ab von dem Vegetationszustand der Pflanzen. Hartlaubige Pflanzen sind weniger empfindlich als weichlaubige. Schimmelpilze und Hausschwamm werden durch Blausäure nicht abgetötet.

Bakterien werden durch Blausäure nicht vernichtet.

II. Anwendungsform der Blausäure:

Zyklon ist die Aufsaugung eines Gemisches von Blausäure und Reizstoff in einem Trägerstoff. Als Trägerstoff verwendet man entweder Holzfaserscheiben, eine rotbraune körnige Masse (Diagrieß) oder kleine blaue Würfel (Erco).

Der Reizstoff hat außer seinem Zweck als Warnstoff noch den Vorteil, daß er die Atmung der Insekten anregt. Entwicklung der Blausäure und des Reizstoffes durch einfache Verdunstung. Haltbarkeit des Zyklons 3 Monate. Schadhafte Dosen zuerst verbrauchen. Inhalt einer Dose muß stets ganz verbraucht werden. Flüssige Blausäure greift Polituren, Lacke, Farben usw. an. Gasförmige Blausäure ist unschädlich. Durch den Reizstoffzusatz bleibt die Giftigkeit der Blausäure unverändert; die Gefährlichkeit ist aber wesentlich geringer geworden.

Zyklon kann durch Verbrennen unschädlich gemacht werden.

III. Vergiftungsmöglichkeiten:

1. Leichte Vergiftungen:

Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Erbrechen, Unwohlsein usw. Alle diese Anzeichen gehen vorüber, wenn man sofort in die frische Luft geht. Alkohol setzt die Widerstandsfähigkeit bei Blausäuredurchgasungen herab. Daher vor der Vergasung keinen Alkohol trinken.

Man gibt: 1 Tablette Cardiazol oder Veriazol, um Herzstörungen vorzubeugen, gegebenenfalls nach 2 bis 3 Stunden nochmals.

2. Schwere Vergiftungen:

Der Betroffene fällt plötzlich zusammen und ist bewußtlos. Erste Hilfe: Frische Luft, Gasmaske ab, Kleidung lockern, künstliche Atmung, Lobelin i.m. 0,01 g. Kampfer-Injektionen sind verboten.

3. Vergiftungen durch die Haut:

Anzeichen wie unter 1. Desgleichen auch Behandlung.

4. Magenvergiftungen:

sind zu behandeln mit:

Lobelin 0,01 g i.m. – Eisenvitriol – gebrannte Magnesia.

IV. Gasschutz:

Bei Durchgasungen mit Zyklon nur Spezialfilter, z. B. Filtereinsatz »J« (blaubraun) der Auergesellschaft, Berlin, oder der Drägerwerke, Lübeck, verwenden.

Tritt Gas durch die Maske, unverzüglich das Gebäude verlassen und Filter wechseln, nachdem auch die Maske und der Maskensitz auf Dichtigkeit geprüft sind. Der Filtereinsatz ist erschöpft, wenn Gas durch die Maske tritt. Mit Filter »J« erst ca. 2 Minuten im Freien bewegen, damit eine gewisse Feuchtigkeit durch die Ausatemluft im Filtereinsatz erreicht wird. – Filter darf keinesfalls im gaserfüllten Raum gewechselt werden.

V. Personal:

Für jede Entwesung wird ein Entwesungstrupp eingesetzt, bestehend aus mindestens 2 Mann. – Verantwortlich für die Durchgasung ist der Durchgasungsleiter. Ihm obliegt besonders die Besichtigung, Lüftung, Freigabe und die Sicherheitsmaßnahmen. Für den Fall seines Ausscheidens bestimmt der Durchgasungsleiter einen Stellvertreter. Den Anordnungen des Durchgasungsleiters ist unverzüglich nachzukommen.

Unausgebildete Personen oder ausgebildete, die noch keine Bescheinigung besitzen, dürfen nicht zu Gasarbeiten herangezogen werden. Sie dürfen auch nicht in gaserfüllte Räume hinein genommen werden. Der Durchgasungsleiter muß stets wissen, wo seine Leute zu erreichen sind. Sämtliche Leute müssen sich jederzeit darüber ausweisen können, daß sie die behördliche Genehmigung besitzen, Blausäure zur Schädlingsbekämpfung zu verwenden.

Die vorliegenden Richtlinien sind in allen Fällen genau zu beachten.

VI. Ausrüstung:

Jeder muß stets bei sich führen:

1. Seine eigene Gasmaske.

2. Mindestens 2 Spezial-Einsätze gegen Zyklon Blausäure.

3. Das Merkblatt »Erste Hilfe bei Blausäurevergifteten«.

4. Arbeitsvorschrift.

5. Zulassungsbescheinigung.

Jeder Entwesungstrupp hat stets bei sich zu führen:

1. Mindestens 3 Spezial-Einsätze als weiteren Vorrat.

2. 1 Gasrestnachweisgerät.

3. 1 Vorrichtung, um Lobelin einzuspritzen.

4. Lobelin 0,01 g Ampullen.

5. (Cardiazol), Veriazol Tabletten.

6. 1 Hebelöffner oder Spitzhammer zum Öffnen der Zyklondosen.

7. Warnungsschilder der vorgeschriebenen Art.

8. Abdichtungsmittel.

9. Papierbogen zur Unterlage.

10. Elektr. Taschenlampe.

Alle Geräte sind stets sauber und in Ordnung zu halten. Beschädigungen von Geräten sind sofort auszubessern.

VII. Planung einer Durchgasung:

1. Ist die Durchgasung überhaupt durchführbar?

a. Bauart und Lage des Gebäudes. b. Beschaffenheit des Daches. c. Beschaffenheit der Fenster. d. Vorhandensein von Heizkanälen, Luftschächten, Mauerdurchbrüchen usw.

2. Feststellung der Art der zu vertilgenden Schädlinge.

3. Raumberechnung. (Nicht auf Pläne verlassen, sondern selbst ausmessen. Nur Außenmaße nehmen. Mauerwerk mitberechnen.)

4. Vorbereitung der Belegschaft. (Entfernen von Nutztieren, Pflanzen, Nahrungsmitteln, unentwikkelte fotografische Platten, Genußmittel, Gasmaskenfilter).

5. Feststellung besonders schwieriger Abdichtungen. (Luftschächte, Kanäle, Holzverschalungen für große Öffnungen, Dächer).

6. Feststellung der zu treffenden Sicherheitsmaßnahmen. (Bewachung, Arbeitskommandos zum Verkleben.)

7. Festsetzung des Durchgasungstages und der Räumungsfrist.

8. Gegebenen Falles Sicherheitsmaßnahmen für die Nachbarschaft rechtzeitig veranlassen.

9. Anmeldung bei der Behörde.

VIII. Vorbereitung einer Durchgasung:

1. Abdichtung.

2. Öffnen sämtlicher Türen, Schränke, Schubladen usw.

3. Betten auseinanderlegen.

4. Entfernung offener Flüssigkeit (Kaffeereste, Waschwasser usw.).

5. Entfernung von Lebensmitteln.

6. Entfernung von Pflanzen und Nutztieren (Aquarien usw.).

7. Entfernung unentwickelter fotogr. Platten und Filme.

8. Entfernen von Verbandspflaster, Arzneimitteln offen und in Tüten (besonders Kohle).

9. Entfernung von Gasmaskenfiltern.

10. Vorbereitung der Erfolgsprüfung.

11. Räumung von der Belegschaft.

12. Schlüsselübernahme. (Sämtliche Türenschlüssel.)

IX. Gasstärke und Einwirkungszeit

hängen ab

von der Art der Schädlinge,

der Temperatur,

dem Füllungsgrad der Räume und

der Dichtigkeit des Gebäudes.

Bei Innentemperaturen von über + 5°C nimmt man in der Regel 8 g/cbm Blausäure.

Einwirkungszeit: 16 Stunden, wenn nicht besondere Verhältnisse, z. B. geschlossene Bauweise, eine Verkürzung erfordern. Bei warmem Wetter darf man bis auf 6 Stunden heruntergehen. Bei Temperaturen von unter + 5°C ist die Einwirkungszeit auf mindestens 32 Stunden zu verlängern.

Die angegebene Stärke und E-Zeit ist anzuwenden bei: Wanzen, Läusen, Flöhen usw. mit Eiern, Larven und Puppen.

Bei Kleidermotten über + 10°C, 16 g/cbm und 21 Stunden Einw.-Zeit.

Mehlmotten wie Wanzen.

X. Durchgasung eines Gebäudes:

1. Prüfung, ob das Gebäude von allen Menschen verlassen ist.

2. Auspacken der Zyklonkisten. Für jedes Stockwerk die entsprechende Menge bereitstellen.

3. Verteilung der Dosen. Ein Mann begibt sich in das Gebäude, empfängt dort die vom Arbeitskommando heraufgebrachten Dosen und verteilt sie. (Läßt sie neben die Unterlagebogen stellen.)

4. Entlassung des Arbeitskommandos.

5. Aufstellung der Wache und Belehrung dieser durch den Durchgasungsleiter.

6. Überprüfung der völligen Abdichtung und Räumung.

7. Anlegung des Gasschutzes.

8. Öffnen der Dosen und Ausschütten des Doseninhaltes. Der Inhalt ist dünn auszustreuen, damit das Zyklon schnell verdunstet und möglichst schnell die notwendige Gasstärke erreicht wird. Die Beschickung beginnt im obersten Stockwerk, der Keller wird vor dem Erdgeschoß beschickt, falls ersteres keinen Ausgang hat. Bereits beschickte Räume sollen nach Möglichkeit nicht noch einmal betreten werden. Bei der Beschickung ist ruhig und langsam zu arbeiten. Besonders ist die Treppe langsam zu begehen. Die Beschickung darf nur im Notfalle unterbrochen werden.

9. Die Ausgangstüre wird verschlossen, abgedichtet (Schlüsselloch nicht vergessen) und der Schlüssel dem Durchgasungsleiter übergeben.

10. Auf die Tür wird eine Warnungstafel aufgeklebt mit der Aufschrift: »Vorsicht, giftige Gase, Lebensgefahr. Eintritt verboten.« Die Warnungstafel muß – falls erforderlich – mehrsprachig sein. Jedenfalls muß sie mindestens 1 deutlich sichtbaren Totenkopf tragen.

11. Gasschutz, Einrichtungen zur Wiederbelebung und Gasrestnachweis sind bereit zu halten. Jedermann des Durchgasungspersonals muß wissen, wo sich die Gegenstände befinden.

12. Mindestens 1 Mann des Durchgasungspersonals bleibt stets in erreichbarer Nähe des unter Gas stehenden Gebäudes. Sein Aufenthaltsort ist der Wache bekannt zu geben.

XI. Lüftung:

Die Lüftung bietet die größte Gefahr für Beteiligte und Unbeteiligte. Sie ist deshalb besonders vorsichtig und stets mit aufgesetzter Gasmaske auszuführen. Grundsätzlich soll derart gelüftet werden, daß gasfreie Luft stets in kürzester Zeit erreichbar ist, daß das Gas nach einer Seite abzieht, auf der die Gefährdung Unbeteiligter ausgeschlossen ist. Bei schwieriger Lüftung bleibt 1 ausgebildeter Mann vor dem Gebäude, um den Abzug des Gases zu beobachten.

1. Dafür sorgen, daß sich in der Umgebung des Gebäudes keine fremden Leute aufhalten.

2. Die Wachposten so aufstellen, daß sie durch das abziehende Gas nicht belästigt werden, trotzdem aber die Zugänge zu dem Gebäude beobachten können.

3. Gasmasken anlegen.

4. Gebäude betreten, Türe schließen, nicht verschließen.

5. Zuerst die Fenster auf der dem Wind abgekehrten Seite des Gebäudes öffnen. Stockwerkweise lüften. Im Erdgeschoß beginnen und nach jedem Stockwerk eine Erholungspause von mindestens 10 Minuten einlegen.

6. In den einzelnen Räumen des Gebäudes müssen die Türen zum Gang, Verbindungstüren zwischen den Zimmern und die Fenster geöffnet werden. Bieten einige Fenster Schwierigkeiten, so dürfen sie erst geöffnet werden, wenn die Hauptmenge des Gases abgezogen ist.

7. Verschläge und andere nicht leicht wieder bestellbare Abdichtungen dürfen erst entfernt werden, wenn die Hauptmenge des Gases abgezogen ist.

8. Bei Frost und Frostgefahr ist darauf zu achten, daß Heizung und Wasserleitung nicht einfrieren.

9. Zimmer mit wertvollem Inhalt wie Kleiderkammern usw. dürfen wieder verschlossen werden, sobald die Fenster geöffnet sind.

10. Geöffnete Fenster und Türen sind gegen Zuschlagen zu sichern.

11. Abdichtungen der Schornsteine werden nach der vorläufigen Freigabe entfernt.

12. Die Lüftung muß mindestens 20 Std. dauern.

13. Die Wache bleibt während der ganzen Lüftungszeit bei dem Gebäude.

XII. Vorläufige Freigabe:

Ein durchgaster Raum darf vorläufig freigegeben werden, sobald bei offenem Fenster und Tür der Papierstreifen des Gasrestnachweises schwächer blau als das mittlere Farbmuster ist. In vorläufig freigegebenen Räumen dürfen nur Arbeiten zur Lüftung und Aufräumung ausgeführt werden. Keinesfalls darf in ihnen ausgeruht oder geschlafen werden. Fenster und Türen müssen ständig geöffnet bleiben.

XIII. Aufräumungsarbeiten nach der vorläufigen Freigabe:

1. Entfernung der Zyklonrückstände aus den durchgasten Räumen. Sie sind im allgemeinen wie Dosen und Kisten an die Fabrik zurückzusenden. Vor der Rücksendung aus den durchgasten Räumen muß auf den Kisten die Aufschrift »Gift« entfernt werden. Feuchte, nasse oder veschmutzte Rückstände, sowie beschädigte Dosen, dürfen keinesfalls zurückgesandt werden. Sie können auf den Kehricht oder Schlackenhaufen geworfen werden, dürfen jedoch niemals in Wasserläufe entleert werden.

2. Matratzen, Strohsäcke, Kissen, Polstermöbel oder ähnliche Gegenstände sind unter Aufsicht des Durchgasungsleiters oder seines Beauftragten mindestens eine Stunde lang im Freien (bei Regenwetter mindestens 2 Std. auf dem Flur) zu schütteln oder zu klopfen.

3. Wenn es möglich ist, soll die Füllung der Strohsäcke erneuert werden. Die alte Füllung darf aber nicht verbrannt, sondern kann nach weiterer Lüftung wieder verwendet werden.

4. Falls die Schornsteine oben abgedeckt worden sind, müssen die Abdichtungen sorgfältig entfernt werden, andernfalls Gefahr besteht, daß das Feuer in Öfen und Herden keinen genügenden Zug hat und Kohlenoxydvergiftungen hervorgerufen werden.

5. Nach der endgültigen Freigabe ist ein Durchgasungsbericht nach vorgeschriebenem Muster in doppelter Ausfertigung auszufüllen. Aus ihm müssen insbesondere zu ersehen sein:

a. durchgaster Rauminhalt, b. Menge des verbrauchten Zyklons, c. Name des Durchgasungsleiters, d. Namen des übrigen Personalstandes, e. Gaseinwirkungszeit, f. Zeitpunkt der Freigabe der entwesten Räume.

XIV. Endgültige Freigabe:

1. Keinesfalls vor Ablauf von 21 Stunden nach Beginn der Lüftung.

2. Alle zum Ausklopfen herausgebrachten Gegenstände sind in den Raum zurückzubringen.

3. Fenster und Türen werden für eine Stunde geschlossen.

4. In heizbaren Räumen muß eine Temperatur von mindestens 15° Grad hergestellt werden.

5. Gasrestnachweis. Der Papierstreifen darf auch zwischen übereinander gelegten Decken, Matratzen und in schwer zugänglichen und schwer lüftbaren Räumen nicht stärker blau sein als das hellste Farbmuster. Ist dies nicht der Fall, so muß die Lüftung fortgesetzt werden und der Gasrestnachweis nach einigen Stunden wiederholt werden.

6. In Gebäuden, die möglichst bald wieder zum Schlafen benutzt werden sollen, ist der Gasrestnachweis in jedem einzelnen Raum vorzunehmen. Keinesfalls darf in einem durchgasten Raum in der auf die Durchgasung folgenden Nacht geschlafen werden. Stets müssen die Fenster in der ersten Nacht, in der der Raum wieder benutzt wird, geöffnet bleiben.

7. Der Durchgasungsleiter oder sein Stellvertreter darf das Gebäude nicht eher verlassen, als bis auch der letzte Raum endgültig freigegeben ist.

Herausgegeben von der Gesundheitsanstalt des Protektorats Böhmen und Mähren in Prag

 

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[1] Das Gesetz Fabius-Gayssot (benannt nach dem damaligen sozialistischen Vorsitzenden der »Assemblée nationale« – Nationalversammlung –, Laurent Fabius, sowie dem kommunistischen Abgeordneten Jean-Claude Gayssot, der es lancierte) wurde im Juli 1990 erlassen. Es belegt das »Bestreiten von einem oder mehreren Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie sie im Artikel 6 des Internationalen Militärgerichts definiert wurde«, mit Strafen von bis zu 300.000 Francs Buße und bis zu einem Jahr Haft. Bis Anfang 1994 sind in Frankreich rund 40 Gerichtsverfahren aufgrund dieses Gesetzes eingeleitet worden.

[2] Anmerkung des Übersetzers: Im April 1994 erschien beim Piper Verlag, München/Zürich, eine von Eliane Hagedorn und Barbara Reitz angefertigte deutsche Übersetzung des Pressac-Buchs. Sie trägt den Titel Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes. Wo Faurisson Pressac zitiert, übernehmen wir stets die deutsche Version, und wir geben die betreffende Seite der deutschen, nicht der französischen Ausgabe an. – Wie später noch dargestellt wird, divergieren die beiden Ausgaben hinsichtlich der Opferzahlen, die in der deutschen Version reduziert worden sind. Da sich Faurissons Antwort aber auf die französische und nicht die deutsche Ausgabe bezieht, übernehmen wir die dort genannten Ziffern.

[3] Hinsichtlich der photographischen Dokumentation, insbesondere was Photographien des polnischen Modells betrifft, stehen dem Leser zwei Möglichkeiten offen: entweder er zieht Dr. Wilhelm Stäglichs Werk in seiner Originalfassung zu Rate: Der Auschwitz Mythos, Grabert Verlag, Tübingen 1979 (in Deutschland verboten); die darin enthaltenen 21 Photos entstammen alle meinen eigenen Archiven; zu jeder ist nur eine kurze Erläuterung angefügt; eine ausführliche Erklärung fehlt ebenso wie eine Gesamtdarstellung; oder aber er konsultiert die adaptierte französische Übersetzung von Dr. Stäglichs Buch: Le Mythe d’Auschwitz, la Vieille Taupe, Paris 1986; die 17 Photos sind allesamt meinen eigenen Archiven entnommen; sie sind mit Erklärungen versehen und in eine methodologische Darstellung mit dem Titel »Le Mythe d’Auschwitz en images« (Der Auschwitz-Mythos in Bildern) eingebettet.

[4] Jean-Claude Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers, The Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989, 564 Seiten, 45 x 30 cm, im Buchhandel nicht erhältlich, im folgenden als A.T.O. abgekürzt.

[5] Revue d’histoire révisionniste Nr. 3 (November 1990/Januar 1991), S. 65-154, im folgenden als R.H.R. abgekürzt. 

[6] Aus vertraulicher Quelle weiß ich, daß Pressac die Gesamtzahl der Auschwitz-Opfer zum gegebenen Zeitpunkt – d.h. wenn seines Erachtens die psychologische Bereitschaft zur Akzeptanz dieser neuen Verringerung der Opferzahl vorliegt – auf 700.000 zu reduzieren erwägt. 1989 sprach er allein im Hinblick auf die Vergasten noch von »ein bis anderthalb Millionen« (A.T.O., S. 553). Anmerkung des Übersetzers: Die von Prof. Faurisson genannte Zahl von 630.000 in Auschwitz vergasten Juden steht auf Seite 148 der französischen Ausgabe; dieser zufolge kamen, wie Faurisson erwähnt, im Lager insgesamt 775.000, oder aufgerundet 800.000, Menschen um. In der acht Monate später erschienenen deutschen Übersetzung werden die Opferzahlen wieder reduziert. Es ist nun von insgesamt 630.000 bis 710.000 Toten die Rede; darunter sollen sich 470.000 bis 550.000 in den Gaskammern ermordete Juden befunden haben (S. 202).

[7] Pressac hegte eine derart glühende Verehrung für Adolf Hitler, daß er in seiner Wohnung eine Büste von diesem besaß, und zwar oben auf der Treppe, die zu einem Estrichzimmer führt. Er hatte diesen Raum schalldicht gemacht, um dort Militärmusik hören zu können (zur Bestätigung lese man Pierre Guillaume, Droit et histoire, La Vieille Taupe, Paris 1986, S. 124).

[8] Was die Krematorien IV und V anbelangt, so teilt uns Pressac nicht mit, was der ursprüngliche Zweck der diversen darin befindlichen Räumlichkeiten war, die laut seiner Theorie nachträglich in Exekutionsgaskammern umgewandelt wurden.

[9] Pressac, der die Sowjets und das KGB für gescheiter als die Amerikaner hält, schreibt, Prüfer habe »nur 25 Jahre Zwangsarbeit bekommen« (S. 137).

[10] Vgl. z.B. den Satz »Auschwitz, wo mehr als fünf Millionen Männer, Frauen und Kinder umkamen, davon 90% Juden« (»Manifestation du souvenir à Paris devant le Mémorial du martyr juif inconnu« – Gedächtnisveranstaltung in Paris vor dem Denkmal des unbekannten jüdischen Märtyrers, Le Monde, 20. April 1978). Dieser in Le Monde aufgestellten Behauptung zufolge fanden also allein in den Lagern Auschwitz und Birkenau über viereinhalb Millionen Juden den Tod!

[11] Im Gegensatz dazu bemühte sich die polnische Widerstandsbewegung, Typhus und Fleckfieber zu verbreiten; wir verdanken diese Erkenntnis der R.H.R. Nr. 1 (Mai 1990, S. 115-128): »Le rapport Mitkiewicz du 7 septembre 1943 ou l’arme du typhus« (Der Mitkiewicz-Bericht vom 7. September 1943 oder die Typhuswaffe); in diesem Bericht werden für die Zeit zwischen Januar und April 1943 »einige hundert Fälle« von »Verbreitung der Flecktyphusmikrobe und von typhusinfiszierten Läusen« vermerkt (S. 127). Die französische Résistance griff zu denselben Methoden (a.a.O, S. 116, Anmerkung 1).

[12] Vgl. Comité international d’Auschwitz, Anthologie (blau), französische Version, Band 1, 2. Teil (Warschau, 1969), S. 196. Unter den vielen anderen deutschen Opfern des Typhus in Auschwitz könnte man Dr. Siegfried Schwella (Nachfolger von Dr. Popiersch), die Gattin von Gerhard Palitzsch, dem Rapportführer des Lagers, und die Gattin von Joachim Caesar, dem Verantwortlichen für die Landwirtschaftsarbeiten, anführen. Andere bekannte Deutsche wurden von der Typhusseuche befallen, ohne ihr zu erliegen, etwa Dr. Johann-Paul Kremer, Dr. Heinrich Schwarz, Dr. Kurt Uhlenbrock und Dr. Josef Mengele. Zu den bekanntesten Häftlingen, die dem Typhus zum Opfer fielen, gehören Dr. Marian Ciepilowski, der die sowjetischen Kriegsgefangenen pflegte, Professor Zygmunt Lempicki sowie die Zahnärztin Danielle Casanova, von der die Legende lange berichtete, sie sei von den Deutschen getötet worden. Die Deutschen lebten im Osten in beständiger Furcht vor dem Typhus; Adolf Hitler selbst wurde am 7. und 14. Februar 1943 in Rastenburg gegen diese Krankheit geimpft (siehe dazu die Aufzeichnungen seines Arztes, Dr. Theo Morell, in: Daving Irving, The Secret Diaries of Hitler’s Doctor, Macmillan, New York 1983, S. 109).

[13] Dt.: Historische Wahrheit oder Politische Wahrheit?, Verlag der Freunde, Postfach 217, 10182 Berlin 1994.

[14] F. Leuchter ist Hinrichtungstechnologe und Spezialist für die in manchen US-Zuchthäusern vorhandenen Exekutionsgaskammern. – G. Rudolf ist Diplom-Chemiker; er hat den Leuchter-Bericht in einer ausführlichen Studie verifiziert, die den Titel Gutachten über die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den »Gaskammern« von Auschwitz trägt und bei Cromwell Press, Uckfield/East-Sussex, Großbritannien. – W. Lüftl war bis 1992 Vorsitzender der österreichischen Bundesingenieurkammer; er mußte nach dem Bekanntwerden eines von ihm verfaßten Papiers mit dem Titel Holocaust – Glaube und Fakten von seinem Posten zurücktreten. Vgl. zu beiden auch: Ernst Gauss, Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994.

[15] Es ist den Revisionisten gelungen, sich den Text dieser Expertise zu beschaffen; vgl. dazu Crise au Musée d’Auschwitz/La Contre-expertise de Cracovie (Krise im Auschwitz-Museum: Das Gegengutachten von Krakau), R.H.R., Nr. 4, Februar 1991, S. 101 – 104).

[16] Vergleichshalber konsultiere man zunächst die verhältnismäßig ehrliche amerikanische Ausgabe (The Auschwitz Album, Random House, New York 1981, XXXIII-167 Seiten) und dann die ausgesprochen unehrliche Pressacsche Ausgabe (L’Album d’Auschwitz, französische Ausgabe, zusammengestellt und vervollständigt von Anne Freyer und Jean-Claude Pressac, Éditions du Seuil, Paris 1983, 224 Seiten).

[17] The Holocaust Revisited: A Retrospective Analysis of the Auschwitz-Birkenau Extermination Complex, Central Intelligence Agency, Washington, Februar 1979, 19 Seiten.

[18] Es läßt tief blicken, daß Pressac kein Sterbenswort über die umfangreiche revisionistische Bibliographie verliert. Er zitiert das fundamentale Werk des amerikanischen Professors Arthur Robert Butz, The Hoax of the Twentieth Century (Der Jahrhundertbetrug), das seit 1976 beim Institute for Historical Review in zahlreichen Auflagen erschienen ist, an keiner Stelle. Ebensowenig erwähnt er das Opus magnum der kanadischen Anwältin Barbara Kulaszka, Did Six Million Really Die? Report of the Evidence in the Canadian »False News« Trial of Ernst Zündel, 1988, mit einem Vorwort von Robert Faurisson, Samisdat Publishers, Toronto 1992, 564 Seiten, 28 x 21 cm). Er tut so, als kenne er die hochgelehrten Studien des Italieners Carlo Mattogno, des Spaniers Enrique Aynat und der Amerikaner Mark Weber und Paul Grubach nicht, die sein englisches Werk Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers gnadenlos zerpflückt haben.

[19] Man vergleiche den von Pressac in seiner Anmerkung 55 erwähnten Text mit demjenigen der »Erklärung« Broads in Auschwitz in den Augen der SS, Staatliches Museum Auschwitz, 1974, S. 172. Pressac hat alle Punkte ausgelassen, die beweisen, daß es sich um eine falsche Zeugenaussage handelt, insbesondere Broads in der betreffenden Passage stehende Erwähnung der »sechs Löcher an der Decke«, die mit »Verschlußdeckeln« geschlossen wurden.

[20] Sogar P. Vidal-Naquet, Schutzherr dessen, den er als »Vorstadtapotheker« bezeichnet, räumt ein: »In der Dokumentation über Auschwitz gibt es Zeugenaussagen, die den Eindruck erwecken, sie hätten ganz die Sprache der Sieger übernommen. Dies gilt beispielsweise für den SS-Mann Pery Broad […]« (Les Assassins de la mémoire, La Découverte, Paris 1987, S. 45).

[21] Im Original »bavure«, was frei übersetzt »Schnitzer« oder »Patzer« bedeutet.

[22] Im Anhang findet man den Text des Dokuments NI-9912 über die Verwendung von Zyklon B; der »Nachweis von Restgas« war eine bei Entwesungsaktionen dermaßen selbstverständliche Sache, daß er im genannten Dokument nicht weniger als sechsmal erwähnt wird.

[23] Am 17. Juli 1992 vom Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft erlassenes Gesetz (Reichsgesetzblatt, Jahrgang 1922, S. 630 – 631).

[24] Eine exakte Repräsentation des Sektors B II f findet man in den Heften von Auschwitz, 15, Verlag Staatliches Auschwitz-Museum, 1975 (außerhalb des Textes zwischen den Seiten 56 und 57). Der Sportplatz heißt dort Sportplatz und das Männerkrankenlager Krankenbaulager für Männer; es gab noch mehrere andere Krankenzonen.

[25] Im Anhang wird das Dokument NI-9912 wiedergegeben, das von fundamentaler Bedeutung ist, weil es die Gefährlichkeit des Umgangs mit Zyklon B verdeutlicht.

[26] Von diesen 210 m2 muß man noch die von sieben starken Betonpfeilern eingenommene Fläche abziehen.

[27] Die vier Krematorien wurden zwischen dem 31. März und dem 25. Juni 1943 in Betrieb genommen. Pressac stellt fest, anhand der Sterbebücher lasse sich die tägliche Sterbequote der »nicht Vergasten« auf 100 schätzen (S. 195).

[28] Hinsichtlich der Krematorien IV und V weicht Pressac der Frage hartnäckig aus, die ich ihm seit fünfzehn Jahren stelle: »Wie in aller Welt kann man die beiden Räume in diesen Krematorien, in denen sich je ein Kohleofen befand, nur als Exekutionsgaskammern bezeichnen?« Zudem sind diese Räumlichkeiten so angeordnet, daß das erste, was die Todgeweihten beim Betreten dieser Krematorien gesehen hätten, der große, als Leichenhalle dienende Saal gewesen wäre, einen Saal, von dem uns Pressac einredet, er habe zum Aufbahren der Vergasten gedient!

[29] In der deutschen Ausgabe hat er die Opferzahlen erneut abgesenkt, vgl. die Anmerkung des Übersetzers, S. 57.

[30] Pressac und die Exterminationisten setzten große Hoffnungen auf die Archive in Moskau und den anderen großen Städten des Ostens. Doch wurden ihre Erwartungen bitter enttäuscht: Weder Pressac noch Gerald Fleming haben in Moskau Nennenswertes entdeckt, und Shmuel Krakowski hat in Prag, Budapest, Riga und Wilnius nichts gefunden, was der »Holocaust«-These dienlich gewesen wäre (»Neue Möglichkeiten der Forschung/Die Holocaust-Forschung und die Archive in Osteuropa«, Antisemitismus in Osteuropa, Picus Verlag, Wien 1992, S. 115-129).

[31] Die gewundene Erklärung des Auschwitz-Museums, derzufolge das Krematorium I mit seiner »Gaskammer« nach 1945 »teilweise rekonstruiert« sein soll, ist schon sehr alt. Sie datiert nicht vom September 1992, wie David Cole irrtümlich meinte. Dieser junge, jüdischstämmige amerikanische Revisionist meinte, eine sensationelle Neuigkeit entdeckt zu haben, als er damals in einem vom Fernsehen übertragenen Interview diese Art von Erklärung aus dem Munde von Franciszek Piper, dem Direktor der Museumsarchive, erhielt. In Wirklichkeit hatte ich selbst bereits sechzehn Jahre zuvor, am 19. März 1976, die gleiche Antwort von einem anderen Verantwortlichen des Museums, Jan Machalek, bekommen. Ich habe diese Antwort oft erzählt, weil ich mich keinesfalls wie D. Cole mit dieser gewundenen Erklärung zufrieden gab, sondern Einsicht in die Pläne verlangte, um mir selbst ein Bild davon machen zu können, was rekonstruiert worden war und was nicht. Ich hatte damals das entdeckt, was ich seitdem in meinen Büchern, Artikeln, Radiointerviews und Videokassetten meinen Aussagen vor französischen und kanadischen Gerichten unermüdlich und unter Vorlegen der Beweise als den »Schwindel mit der Gaskammer im Krematorium I« gegeißelt habe. Man vergleiche dazu besonders Storia Illustrata, August 1979, S. 26; Serge Thion, Vérité historique ou vérité politique?, La Vieille Taupe, Paris 1980, S. 185, 314; Journal of Historical Review, Summer 1980, S. 109; Winter 1981, S. 335; Summer 1990, S. 187; Spring 1991, S. 33 – 35; R.H.R. Nr. 3, S. 75 – 77; das Protokoll meiner Zeugenaussage beim ersten Zündel-Prozeß 1985 in Toronto, Kanada, S. 2364-2366; ferner verweise ich auf meinen Videofilm über »Das Problem der Gaskammern« (1982) und meine Kassetten zum gleichen Thema. Übrigens hat die jüdischstämmige Historikerin Olga Wormser-Migot bereits 1968 zugegeben, daß Auschwitz I »ohne Gaskammer« war (Le Système concentrationnaire nazi (1933 – 1945), P.U.F., Paris 1968, S. 157). 1985 sprach Raul Hilberg beim ersten Zündel-Prozeß in Toronto von einer »teilweise rekonstruierten Gaskammer« (Protokoll jenes Prozesses, S. 774). Im gleichen Jahr sagte Pierre Vidal-Naquet vom selben Krematorium I, es sei »nach dem Krieg von den Polen rekonstruiert worden […]; kein Zweifel an dieser Wiederinstandsetzung« (L’Allemagne nazie et le génocide juif, Gallimard/Le Seuil, Paris 1985, S. 510, 516). 1989 hob Jean-Claude Pressac dreimal hervor, dieses Krematorium sei keinesfalls eine »zuverlässige Reproduktion seines Originalzustands«, sondern »restrukturiert«, »rekonstruiert« und »rekonstituiert« und »Umwandlungen« unterzogen worden (A.T.O., S. 109, 123, 133). Es ist schade, daß sich D. Cole im September 1992 mit der stereotypen Erklärung F. Pipers zufrieden gab und, da er mit dem Thema nicht vertraut war, seinen Gesprächspartner nicht mit den Plänen konfrontierte, welche ich zwölf Jahre früher publiziert hatte und die den Schwindel mit der »teilweisen Rekonstruktion« klipp und klar bewiesen.

[32] Dieser Anhang ist großenteils Robert Faurissons Buch Mémoire en défense contre ceux qui m’accusent de falsifier l’histoire (Verteidigungsschrift gegen jene, die mich der Geschichtsfälschung beschuldigen), La Vieille Taupe, Paris 1980, S. 165-178, entnommen.

[33] Das Wort »Gasprüfer« ist ein Sammelbegriff. Er bezieht sich auf jeden Apparat zur Entdeckung irgendeines Gases. In dem von Pressac zitierten Geschäftsbrief werden die zehn Anzeigegeräte spezifisch als »Anzeigegeräte für Blausäure-Reste« bezeichnet (Dok. 28).

[34] Abkürzung für »Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung«. Die Degesch produzierte namentlich Zyklon B.

[35] Anmerkung des Übersetzers: Wir geben das Dokument NI-9912 in der ursprünglichen Form, d.h. mit seinen diversen sprachlichen Holprigkeiten, wieder; die Ausdrücke »Gasrestnachweis« und »Gasrestnachweisgerät« setzten wir jeweils kursiv.

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QuelleAuschwitz: Nackte Fakten, Eine Erwiderung an Jean-Claude Pressac, mit Beiträgen von Prof. D r. Robert Faurisson, Manfred Köhler, Carlo Mattogno, Serge Thion und einem Vorwort von Ernst Gauss, [Antwerpen], Vrij Historisch Onderzoek, 1995. Übersetzung: Jürgen Graf.

ISBN: 90-73111-16-1. Herausgegeber: Herbert Verbeke.

Original Ausgabe in Französich: RHR, Colombes (Frankreich) 1994, 95 S.